Sonntag, 14. Dezember 2014

Das Vorhersageparadox

Beginnen wir mit einem Gedankenspiel: Stell dir vor, du bist Kandidat in einer richtig schön stereotypischen Gameshow. Der Moderator lässt dich zwischen drei Toren wählen - hinter einem ist ein Preis, hinter zweien ist eine Niete. Du wählst ein Tor, sagen wir das mittlere, anschließend lässt der Moderator das linke Tor öffnen und zeigt die Niete dahinter. Nun die Frage an dich: Bleibst du bei deinem Tor, oder wechselst du zum rechten Tor?

Statistisch gesehen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sich hinter dem rechten Tor der Preis befindet, bei 2/3, hingegen beim mittleren Tor bei 1/3. Rein statistisch betrachtet sollte man daher wechseln. Übrigens immer wechseln - da gab es massenhaft Versuchsreihen zu, auch Leute, die zum Beispiel versucht haben nur in zwei von drei Fällen zu wechseln, oder die Körpersprache des Moderators zu lesen, kamen nicht an die 2/3 Trefferchance heran, die erzielt wurden, wenn immer gewechselt wurde.

Solcherart rein statistische Entscheidung bzw. Vorhersage wirkt kalt, unpersönlich. Die wenigsten Menschen wechseln das Tor. Ein ziemlich großes Problem zum Beispiel in der Eignungsdiagnostik und Personalauswahl. Rein nach statistischen Kennwerten zu entscheiden brachte im Durchschnitt immer bessere Ergebnisse als den menschlichen Faktor einzubeziehen.

Jedoch nicht bei allen. Manche waren besser als die Maschine. Also schauten Forscher, welche Kriterien diese Personen nutzten, und programmierten diese ein. Ergebnis? Das Programm machte wiederum deutlich bessere Vorhersagen als der Mensch. Weshalb? Weil sich die Menschen immer wieder mal nicht an ihre eigenen Regeln halten.

Jetzt könnte man daraus den Schluss ziehen, den menschlichen Faktor übergehen zu wollen. Rein nach Zahlen zu entscheiden. Vermutlich gäbe das - darauf deutet jede mir bekannte Forschung hin - im Durchschnitt diese besseren Ergebnisse. Jedoch liegt hier das große Problem, denn die Vorhersage ist niemals hundertprozentig genau. Beim oben geschilderten "Ziegenproblem" kann man die Erfolgswahrscheinlichkeit steigern, sie erreicht jedoch nicht "eins" (also 100%). Auch wenn es um so etwas geht wie zum Beispiel potentieller Studienerfolg, dann sind durch Schulnoten und IQ gute "statistische" Vorhersagen möglich, allerdings auch wenn es unwahrscheinlicher ist, so gibt es doch mehr als genug Personen, die trotz schlechten Schulnoten ein Studium erfolgreich abgeschlossen haben, oder trotz geringer Leistungen in IQ-Tests gut abschnitten.

Das bringt einem im Bereich der Diagnostik in das Vorhersageparadoxon: Sich rein nach den Zahlen zu richten ist im Durchschnitt am aussichtsreichsten, aber die Zahlen können nur sehr begrenzt etwas bezüglich eines bestimmten Einzelfalls aussagen.

Allerdings können wir da durchaus etwas für uns mitnehmen: Wenn wir Regeln gefunden haben, die zu funktionieren scheinen, sollten wir mit Ausnahmen sehr vorsichtig sein. Sehr wahrscheinlich verringern wir damit nämlich unsere Aussichten. "Diesmal bleibe ich aber beim mittleren Tor, denn da habe ich ein gutes Gefühl!"

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