Samstag, 27. Dezember 2014

Soziale Netzwerke

Erst einmal hoffe ich, dass alle Leser schöne Feiertage hatten - und sich auf einen tollen Jahreswechsel freuen!

Soziale Medien, beziehungsweise soziale Netzwerke (oder kurz gesagt Facebook und co), sind ein Thema, das immer wieder aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird. Tatsächlich tauchen jene auch regelmäßig bei den Suchwörtern auf, durch welche Leute hier meinen kleinen Blog finden. (In erster Linie, weil sie etwaige soziale Netzwerkpräsenzen von mir suchen - bisher gibt es da jedoch nur diesen Blog.)

Seit ihrem Auftauchen haben soziale Netzwerke die Kommunikationslandschaft so verändert wie zuletzt wohl die SMS, und das - denke ich - aus denselben Gründen. Allerdings nicht nur.

Kommunikation kann sowohl synchron als auch asynchron stattfinden. Synchrone Kommunikation ist jedwede Form von "live"-Gesprächen, egal ob ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht, per Telefon, Videokonferenz, Skype, auch Chats fallen darunter. Hier müssen alle Beteiligten zugleich anwesend sein und an der Kommunikation teilnehmen. Bei asynchroner Kommunikation ist das nicht der Fall - Briefe dürften eine der ältesten Formen asynchroner Kommunikation sein, dann gibt es noch E-Mails, SMS, Foren, oder eben so etwas wie soziale Netzwerke. Sie haben den Vorteil, dass jeder kommunizieren kann, wann er mag und kann. Insbesondere die moderneren Formen erlauben es, auch bei sehr unterschiedlichen Arbeitszeiten, Lebenssituationen und mehr Kontakt zu halten. Zudem, und das kann man nicht hoch genug bewerten, sind sie einfach zu bedienen und schnell. Kontakt über E-Mail zu halten ist einfach um Welten einfacher als über Briefe.

Das ist ein Element, das eine Rolle spielt. Im Laufe der Zeit setzten sich immer die effizientesten Kommunikationsmittel durch. Bei sozialen Netzwerken kommt noch ein wenig mehr hinzu. Sie sind für viele einerseits eine gute Möglichkeit, um Kontakt zu halten und Nachrichten zu verbreiten. Andererseits haben sie auch so etwas von einem öffentlichen Tagebuch, erlauben sie es doch, das eigene Leben zu protokollieren. Daraus ergeben sich Vor- und Nachteile.

Ein Bereich ist diesbezüglich Status. Auf der einen Seite kann man sich durch das, was man über sich verbreitet, besser darstellen. Auch das Sammeln von "Freunden", "Followern" und co gehört dazu (tatsächlich gibt es einige Berufsbereiche in der Medienbranche, wo entsprechende Zahlen von potentiellen Bewerbern erwartet werden). Auf der anderen Seite kann man sich damit natürlich auch hereinreiten - beispielsweise indem Verhaltensweisen gezeigt werden, die potentielle Arbeitgeber eher abschrecken.

Ein anderer Bereich hat, so seltsam es klingt, etwas mit Realität zu tun. Indem wir etwas aussprechen oder niederschreiben verleihen wir dem, was in unserem Kopf herumwirbelt, mehr Realität. Personen, die regelmäßig positive Erlebnisse aus ihrem Alltag sammeln, geht es im Schnitt besser. Nicht notwendigerweise, weil sie mehr positive Erlebnisse haben (wobei das auch der Fall sein kann), aber auch, weil ihre Aufmerksamkeit mehr darauf geeicht ist, diese überhaupt zu bemerken, und sie durch die Ausformulierung dann auch mehr im Bewusstsein verbleiben. Dummerweise kann auch das Gegenteil passieren. Es gibt Leute, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, wie furchtbar und ungerecht die Welt sei, und/oder was ihnen zuletzt schlechtes widerfahren ist. Entsprechend gelaunt sind jene Personen oft. Es gibt da so ein schönes englisches Sprichwort - "where attention goes energy flows". In sozialen Netzwerken kann man dies sowohl zum eigenen Vorteil (positive Erlebnisse) wie auch zum eigenen Nachteil (negative Erlebnisse) nutzen.

Ich kann nur empfehlen, dabei alles - egal ob selbstgeschrieben oder bei anderen gelesen - für nicht allzu "real" zu halten. Jedes Erlebnis hat zwei Komponenten. Einerseits das, was wirklich passiert. Andererseits unsere Bewertungen, sowohl intellektuell wie auch emotional. Letztere sind nicht real, wir verleihen ihnen nur Realität. Ein Beispiel: Ich erinnere mich an ein Weihnachten, wo ich sehr fern der Heimat in einem anderen Land strandete, einen mehr als zweitausend Kilometer langen Rückweg durch halb Europa angetreten bin und schließlich erst am zweiten Weihnachtsfeiertag daheim eintraf. Ich könnte daraus jetzt folgende Bewertungen spinnen:
- Wie unerwartete Ereignisse unsere Pläne durcheinander bringen können.
- Wer spart, kann durch Zeit hinterher nachzahlen.
- Wie Umwege uns in sehr schöne Gegenden führen können.
- Das Weihnachten auf sehr viele verschiedene Arten und Weisen verbracht werden kann.
- Etwas über Vorfreude auf das, was am Ende der Reise wartet.
- Oder auch etwas in Richtung "der Weg ist das Ziel" oder "das Leben ist eine Reise".
- Genauso könnte ich über die vielen kleineren und größeren Ärgernisse der Reise berichten.
- Ebenso über die positiven Erlebnisse.
Und sehr, sehr viel mehr. Die Reise ist real, die Bewertung hingegen subjektiv. Es sind Spins, Rahmen. Die wir selbst setzen, oder von anderen uns setzen lassen. In sozialen Netzwerken geschieht dies dauernd.

Dann gibt es noch zwei weitere Phänomene, die in sozialen Netzwerken eine Rolle spielen können. Da wäre die "soziale Ansteckung" zu beachten - die funktioniert nicht nur in "realen" sozialen Gruppen, sondern auch über virtuelle Gruppen. Weiterhin können auch virtuelle Gruppen eine Art Gruppendruck ausüben - und sei es nur, eben durch die tagebuchartige Natur mancher sozialer Netzwerke, immer etwas zu erleben, bzw. erleben zu müssen. Für manche ist das toll, für andere Stress.

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