Samstag, 27. Dezember 2014

Vertrauen, Misstrauen

Vertrauen ist so eine seltsame Sache. Mir fällt da immer sofort eine Aussage ein, die mal jemand in Bezug auf Religiosität geäußert hat - "man glaubt immer an etwas, und wenn es nur der Kühlschrank ist!"
Wie kommt es, dass mir ausgerechnet ein Spruch zum Thema "Glauben" bei Vertrauen einfällt? Sie sind sich relativ ähnlich - einerseits die Frage, ob man dem anderen glaubt; andererseits, welche Intentionen und mögliche Handlungen man dem anderen unterstellt.

Würdest du 1000€ einem wildfremden Menschen in die Hand drücken? Tun wir das nicht in gewisser Weise alle, wenn wir mit unserer Bank zu tun haben? Und was geschah nochmal, vor nunmehr etwas über sechs Jahren, als manche Banken etwas gewackelt haben? Panische Politiker die alles versuchten, einen Lauf auf die Banken zu verhindern - denn hätten alle Kunden ihr Geld abgezogen (besser gesagt abziehen wollen), wären die Banken kollabiert.

Allerdings, und das ist das große Problem, welches Vertrauen so seltsam macht, was wir klassischerweise als "Misstrauen" bezeichnen ist nicht das Gegenteil von Vertrauen. Es ist auch eine Form von Vertrauen. Wenn ich sagen würde "ich misstraue Politikern. Sie machen nur falsche Versprechungen und vertreten eh Lobby-Interessen", dann vertraue ich denen durchaus - nur nicht so herum, wie sie es sich wünschen. Stichwort insofern "man kann nicht nicht X". Das, was wir klassischerweise als Misstrauen bezeichnen, ist nur eine andere Form von Vertrauen.

Was ist das wirkliche Gegenteil von Vertrauen? Hier gibt es interessanterweise zwei Gegenteile.

Das erste ist Unberechenbarkeit. Menschen mögen keine Unberechenbarkeit. Unsere Darstellung von uns selbst, die Geschichten, die wir über uns selbst erzählen, all das und viel mehr dient dazu, dass wir für andere berechenbarer werden. Misstrauen aufgrund von Unberechenbarkeit ist von ganz anderer Qualität als Misstrauen aufgrund von fehlendem Vertrauen. Mit letzterem lässt sich einigermaßen gut arbeiten, ersteres hingegen sorgt dafür, dass die Reaktion schwierig vorhersagbar wird.
Beispiel: Wenn ich mal etwaige Wahrnehmungs- oder Denktäuschungen demonstriert habe, habe ich immer vorher darauf hingewiesen, dass ich dann tricksen würde. Dadurch wusste ich, meinen Handlungen wird 'misstraut', wodurch die Tricks immer funktionierten. Hatte ich keinen entsprechenden Rahmen vorab gesetzt, wurde hingegen manchmal der Trick erkannt. Warum konnte ich zu Demonstrationszwecken besser tricksen, wenn mir misstraut wurde? Weil das, was ich tat, scheinbar berechenbarer war.

Das andere Gegenteil ist das Hinterfragen jedweder Information, anders formuliert eine extrem verfestigte "innere" Realität. In dem Fall wird alles für falsch gehalten, was von außen kommt und nicht zum inneren Bild passt.

Kommen wir also zurück zum Kühlschrank. Vertrauen ist eine seltsame Sache. In gewisser Weise kann man sie nicht verlieren, man kann sie nur ändern - und wenn man Vertrauen einmal sprichwörtlich verspielt hat, es zurückzugewinnen wird dann sehr schwer. Weil dann alles (Stichwort Berechenbarkeit) durch den neuen Filter betrachtet wird.

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