Montag, 5. Januar 2015

Facetten des Selbst

Mal als Idee: Wir nehmen uns als kongruentes "Ich" war, jedoch ist das, was wir als unser "Selbst" wahrnehmen, sehr facettenreich und vielschichtiger, als wir es selbst oft wahrnehmen. Denn unter anderem...

- sind wir in verschiedenen Kontexten und Rollen zumindest etwas unterschiedlich. In Familie, Freundeskreis, Beruf, bei verschiedenen Aufgaben, da handeln und denken wir nicht überall gleich. Es ist nicht so, dass wir da Masken tragen, sondern bestimmte Eigenschaften von uns stärker oder schwächer betonen.

- entwickelt sich unser Selbstkonzept im Laufe der Zeit, oftmals ohne, dass uns dies auffällt. Wir glauben selbst heute dieselbe Person zu sein wie gestern, wie vorgestern, aber wir sind nicht mehr dieselbe Person wie vor fünf oder zehn Jahren. Veränderungen fallen uns oft zuletzt auf.

- gibt es dann doch noch so eine Art Maske, die wir der Welt zeigen. Die Geschichte, die wir über uns selbst erzählen. Aber wir sind nicht diese Geschichte, wir sind mehr. Hast du schon mal jemanden erlebt, der eher verschlossen und/oder unsicher wirkte, aber bei bestimmten Tätigkeiten aufblühte? In einem Flow-State existiert diese Maske nicht mehr, und dann scheint das "Ich" dahinter durch. Das kann passieren, wenn die Maske außerhalb des Flow-States zu beengend ist. Viele nehmen die Geschichte, die Maske, als Teil des Selbst wahr, sie ist dies jedoch eigentlich nicht.

- Überzeugungen und Vorstellungen über die Welt können so verinnerlicht sein, dass wir sie allen Menschen unterstellen, obwohl sie nicht Teil der Welt sind, sondern nur unserer selbst.

- dann wären da noch Tabubereiche. Aspekte des eigenen Lebens und des eigenen Selbst, mit denen wir eine Auseinandersetzung scheuen. Interessant ist, diese können auf Außenstehende absolut "harmlos" wirken (z.B. bestimmte Familiendynamiken), für die Betroffenen jedoch hochgradig emotionale Sprengfallen darstellen.

- schließlich noch "importieren" wir immer wieder einmal von außen Aspekte, die aber eigentlich gar nicht so zu uns passen müssen. Klassisches Beispiel, wenn so etwas zu einem Problem wird, sind sehr oft Sinnkrisen. Diese können entstehen, wenn auf eine Art und Weise gelebt wird, die gar nicht den eigenen sinngebenden Anteilen des Selbst entsprechen. Dennoch, und das ist das Gefährliche, werden sie lange Zeit als Teil des Selbst wahrgenommen.

... und sicherlich habe ich noch unzählige Facetten vergessen.

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