Mittwoch, 14. Januar 2015

Kulturelle Kontexte und Geistesarbeit

Mir wurde schon vor vielen Jahren erstmals ein kulturelles Detail erzählt, das mir so seltsam erschien, dass ich es nicht geglaubt habe. Dasselbe hörte ich jedoch wieder, und wieder, und wieder, aus mittlerweile gut einem Dutzend Quellen. Dabei geht es um Psychotherapie in manchen Gebieten Südamerikas. Und zwar wurde da immer wieder berichtet, dass die Therapeuten dort, auch wenn sie aus westlichen Ländern stammen, zumindest dort ihre Ausbildung hatten, wie die Schamanen aus alter Zeit die Geister mit einbinden. Ohne das hätte man dort keine Chance. All die wissenschaftlichen Erklärungen, völlig egal, wenn die Geister nicht eingebunden werden, wird es schwer.

Auf der anderen Seite gibt es bestimmte Strömungen im Buddhismus, die viel weniger so etwas wie eine Religion sind, und mehr wie eine Art antike Psychologie erscheinen. Ich wurde mal im Kontext von Wünschen auf den Buddhismus als "wunschlose" Religion angesprochen, fand ich seltsam, ist doch das Hauptziel im Buddhismus die Reduktion persönlichen Leids.

Wir haben heute ein doch recht passables Verständnis darüber, wie der menschliche Verstand funktioniert. Aber mit dem Verstand arbeiten Menschen schon seit Urzeiten. Dann gibt es immer wieder Kontexte, bei denen es zu Überschneidungen kommt, zwischen den alten Formen der Geistesarbeit und der neuen Form. Das Wortspiel war nicht beabsichtigt, zeigt aber das Problem auf. Menschen funktionieren nicht unabhängig von ihren kulturellen Symbolen. So habe ich von so manchen Therapeuten im Urwald gehört, die selbst nicht an Geister glaubten, aber sie als Symbole zu nutzen wussten - und nutzen mussten.

Dies ist mehr als nur ein Kuriosum. Auf der einen Seite könnte uns die symbolhafte Beschreibung ablenken vom Kern der Botschaften (in den Jahrtausenden, die der Mensch sich schon mit dem eigenen Erleben und Empfinden beschäftigt, kam nicht nur Unsinn heraus), auf der anderen Seite steht die Frage, inwieweit wir selbst uns Beine stellen, weil wir an Symbolen festhalten, ohne es selbst zu merken.

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