Montag, 16. Februar 2015

Das Vakuum-Problem

Stell dir vor, du bist in einem Raum. In diesem Raum steht nur eine einzige Sache, nämlich ein Stuhl. Und dieser Stuhl nervt dich. Dummerweise, aus welchen Gründen auch immer, kann der Stuhl nicht einfach verschwinden. Vielleicht tut er es irgendwann einmal von alleine, vielleicht kann er erst in einiger Zeit herausgebracht werden. So oder so, der Stuhl bleibt.

Wie nun damit umgehen? Den Stuhl ignorieren? Wird kaum gehen, denn es gibt nur den Stuhl, und sonst nichts. Den Stuhl verrücken? Bringt ihn vielleicht aus der Mitte des Raums hinaus, aber er ist immer noch da. Und er ist weiter das einzige Objekt im Raum.

Man könnte nun auch ganz geschickt sein, und versuchen, den Stuhl zu verstecken. Zum Beispiel unter dem Teppich - dann hat man einen stuhlgroßen Klumpen unter dem Teppich. Oder hinter der Tapete. Oder, auch beliebt, extra einen Schrank aufzubauen, um den Stuhl darin zu verstecken. Nur woran denkst du dann, wenn der Blick auf den Schrank fällt?

All diese Lösungen sind nicht gut. Was kann aber funktionieren? Was kann wirklich vom Stuhl ablenken?

Genau. Den Raum mit so vielen Sachen vollstopfen, dass der Stuhl gar nicht mehr auffällt.

Dies ist nicht nur eine Fortführung / Ergänzung zu dem meiner Einschätzung nach skurrilsten Artikel meines Blogs (die "einfache Frage"), sondern umreißt ein generelles Problem. Das keinen wirklichen Namen hat. Ich nenne es Vakuumproblem. Es ist sehr, sehr schwer, nicht zu denken. Und wenn man denkt, also im erwähnten Raum ist, wandert das Denken zu dem, was sich dort anbietet.

Im Fall von Personen, die ziemliche Probleme im Leben haben oder hatten, genau dann zu den Problemen. Was wiederum zu einer ganzen Menge psychosomatischer Begleiterscheinungen führt. Kann das zugrunde liegende Problem verschwinden? Ja, aber das braucht Zeit. Durch die immer wieder dahinkehrende Aufmerksamkeit sogar ungleich länger. Die Lösung ist so simpel wie schwierig, dem Geist mehr mögliche Ansatzpunkte anbieten. Worüber wir denken, und wie wir es bewerten, bestimmt, wie wir uns fühlen. Viele setzen dann bei dem Bewertungsschritt an - und das funktioniert auch. Überhaupt aber dafür zu sorgen, dass gar nicht erst an möglicherweise problematische Dinge gedacht wird, ist eine ebenso sinnvolle Herangehensweise. Die zudem schnellere Ergebnisse bringen kann, weil hier sich weniger Automatismen verändern müssen.

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