Donnerstag, 26. Februar 2015

Die seltsam (un-)passende Motormetapher

Ich denke einfach einmal laut.

Ständig höre ich, wie in Bezug auf Stress der Vergleich zu Motoren gezogen wird - im Sinne von, wie schlimm es ist, immer im höchsten Gang zu sein, mal einen Gang herunterschalten zu lernen. Kennst du bestimmt.

Aber die Metapher geht eigentlich daneben. Was passiert, wenn man herunterschaltet? Die Drehzahl geht hoch, der Motor muss für dieselbe Geschwindigkeit mehr leisten. Höhere Gänge sind bei derselben Geschwindigkeit entlastend für den Motor. So schaltet man normalerweise nur zurück, wenn man langsamer wird, oder mehr Leistung (z.B. bei Steigungen oder Beschleunigungen) braucht.

Heißt, das Sprichwort sollte eigentlich sein "schalt mal einen Gang hoch!", denn die Drehzahl ist das, was am ehesten dem Stress entspricht. Entweder das, oder "mach mal langsamer", weil das auch beim selben Gang die Drehzahl senkt.

Umgekehrt aber findet sich hier doch eine wirklich, wie ich finde, putzige Parallele. Woran erinnert mich die Drehzahl des Motors? Flow. Wird die Drehzahl zu niedrig, müssen wir den Gang nach unten wechseln, heißt eigentlich sogar mehr Stress hereinbringen, weil sonst der Motor abstirbt. Umgekehrt, ist die Drehzahl zu hoch, müssen wir nach oben schalten, um das optimale Leistungsniveau wieder zu haben und nicht unnötig (Benzin) auszubrennen.

Insofern ist die Motormetapher in Bezug auf Stress eigentlich sogar sehr gut - nur die typischen Sprichwörter sind falsch herum. Rein technisch betrachtet.

Zum Glück achten nur die Allerwenigsten auf solch technischen Haarspaltereien.

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