Samstag, 21. Februar 2015

Selektive Aufmerksamkeit

Gerade leide ich unter selektivem Gedächtnis, denn ich erinnere mich zwar, dass ich schon mehrfach etwas zum Thema Aufmerksamkeit geschrieben zu haben - aber habe ich auch schon einmal etwas zum Thema selektive Aufmerksamkeit geschrieben? Vielleicht, aber ein paar neue Gedanken dazu können nie schaden.

Berühmt sind Experimente im Bereich der selektiven Aufmerksamkeit die eine gewisse Skurrilität in sich tragen, beispielsweise wo Probanden die Aufgabe erhalten, den Ballwechsel in einem Basketballspiel zu verfolgen - und währenddessen läuft ein Gorilla durchs Bild, den sie nicht bemerken. Beeindruckend, aber wo liegt darin eine wichtige Botschaft? Außer natürlich, dass man hier die Wirkung von Vorab-Rahmensetzung sieht (lies, ohne die Aufmerksamkeitslenkung auf den Ball wäre der Gorilla entdeckt worden).

Jedoch findet sich hier eine Eigenheit unseres Verstands, die weit über solche Situationen hinaus geht. Wir sehen meist nur einige Handlungsoptionen - das wollen wir, das wollen wir auf keinen Fall! Und unsere Aufmerksamkeit liefert uns dann während wir durch die Welt gehen die Informationen, die genau diesen Zielen dienen - so wie die Basketballbeobachter den Ball beobachten. Indessen entgehen uns all die Alternativen, die irgendwo zwischen den Extremen liegen, oder sogar ganz weit außerhalb, jenseits dieser Fixpunkte. Anders formuliert, wir bemerken nicht die "Gorillas" in unserem Leben, wenn wir zu fixiert in unserer Aufmerksamkeit sind.

Wie aber können wir diese bemerken? Oftmals werden sie uns in Interaktionen klar, wo uns unsere Gegenüber aufzeigen, was zwischen und neben "A" und "B" noch möglich wäre. Ebenso auch eine Reduzierung unserer Anspannung - sowohl bei körperlicher als auch bei geistiger Beanspruchung verengt sich unsere Aufmerksamkeit. Durch Anspannung, durch Zwang, wird unsere Konzentration nicht notwendigerweise besser - die durch sie gesteuerte Aufmerksamkeit wird in erster Linie enger.
Ebenso aber auch eine, das gehört auch dazu, eine Akzeptanz etwaiger Anspannungen. Kämpft man gegen sie an, erzeugt das noch deutlich größeren Stress. Damit einhergehend, dieses seltsame Konstrukt der Achtsamkeit, auch das hilft den Blick zu weiten. Grundsätzlich jede Orientierung hin zur Gegenwart. Und die Hinterfragung dessen, was man tut. Soll man wirklich nur den Ball beobachten? Oder das ganze Spiel?

Wer jemals irgendein Ballspiel selbst gespielt hat, wird mir sicher zustimmen, dass es ein absoluter Anfängerfehler ist, darin nur den Ball und nicht auch die Mitspieler und Gegenspieler zu beobachten. Macht es also überhaupt Sinn, die Aufmerksamkeit so zu fokussieren, auch wenn uns das jemand sagt?

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