Montag, 16. März 2015

Rollenabhängige Kommunikationsbeschränkungen

Mit unterschiedlichen Menschen kommunizieren wir unterschiedlich. Klingt simpel, aber dahinter verbergen sich einige große Problembereiche. Weniger problematisch ist, dass wir zielgruppenorientiert kommunizieren. Oder anders formuliert, wir sprechen mit einem fünfjährigen Kind anders als mit einem Erwachsenen; genauso mit einem Erstklässler anders als mit einem Zehntklässler.

Allerdings bestimmen auch die Positionen zueinander im Leben, wie wir miteinander kommunizieren, welche Themen möglich sind, und wie frei miteinander gesprochen wird. Zwischen Arbeitskollegen sind andere Themen und ein anderer Umgang miteinander akzeptabel als innerhalb einer Familie. Innerhalb einer Familie wird zwischen Eltern und Kindern anders kommuniziert als zwischen Partnern. Mit Freunden sind andere Themen möglich als mit Bekannten. Jede Rolle ist mit Kommunikationsbegrenzungen verbunden. Arbeitskollegen können miteinander nicht im selben Maße so offen sein wie z.B. Patient und Arzt.

Wieso nun könnte das wichtig sein? Viele Menschen neigen dazu, Bezugspersonen mehrere Rollen aufzuerlegen, z.B. Arbeitskollege und Freund. In solchen Fällen nun gelten die Grenzen beider Rollen.

Ob das jetzt gut oder schlecht ist, darüber lässt sich streiten. Im Hinterkopf behalten sollte man es, wenn es zu Situationen kommt, wo man eine möglichst unzensierte Kommunikation benötigt. Die bekommt man nicht notwendigerweise, wenn man Leute fragt, auf die mehrere Bindungen zutreffen.

Spinnen wir mal eine hypothetische Situation. Aufgrund einer rechtlich unklaren Lage soll ein Anwalt befragt werden. Eigentlich sollte man ja meinen, der alte Freund seit Kindheitstagen, der zufällig auch Anwalt ist, wäre der beste Ratgeber, da er ja schon sehr persönliche Kenntnisse über die Situation hat. Aus der Perspektive könnte es auch stimmen. Nur fehlt da einerseits möglicherweise auch der Abstand, andererseits könnte er aus Rücksicht auf Gefühle beschönigt oder anderweitig verzerrt kommunizieren. Das wiederum könnte zu falschen Entscheidungen führen...

... und jetzt denken wir einmal an Situationen, wo es richtig weh tun kann. Arzt und Patient zum Beispiel, wenn zwei Diagnosen im Raum stehen, und eine davon eine sehr schmerzhafte Behandlung nach sich ziehen würde. In welche Richtung dürfte der Arzt-Freund schon unbewusst hin tendieren? Wie wird er die Alternativen kommunizieren?

Doppelrollen können zu Problemen führen.

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