Sonntag, 8. März 2015

Signale im Rauschen

Im Bereich technischer Kommunikation (also der Kommunikation zwischen Geräten) gibt es den Begriff der "signal to noise ratio", welche beschreibt, wie viele von den empfangenen Informationen Signal (also wertvoll) und wie viel "Hintergrundlärm"/"Rauschen" ist.

Ich erinnere mich da an den Fernsehempfang vor einigen Jahrzehnten, so man kein Kabel hatte. Wenn es draußen stürmte, empfing da die Technik mehr Rauschen und die Bildqualität ließ spürbar nach. Anders formuliert, das Bild wurde verschneit. Bei der modernen digitalen Technik passiert so etwas ja nicht mehr. Also nicht, dass es keine Störungen mehr gäbe. Nur statt Schnee gibt es nun Blöckchenbildung. Aber apropos Kabel. Das Problem gibt es da auch - zu lange Kabel ohne Verstärker verlieren zu viel Signal, und am Ende ist das Bild verschneit oder verblockt.

Auch in menschlicher Kommunikation gibt es eine "signal to noise ratio", nur wirkt sie sich dort weniger offensichtlich aus.

Viele Personen haben ihre eigene Art Informationen weiterzugeben. Je weniger eine Person zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen unterscheidet, desto schwerer wird es für andere, das Signal im Rauschen zu erkennen. Umgekehrt, und das führt immer wieder zu weiteren Kommunikationsproblemen, erwartet jemand, der viel "Informationsrauschen" aussendet, ebenso viel "Informationsrauschen" zu erhalten. Sich dort präziser auszudrücken (also mehr Signal unterzubringen) kann hier einen gegenteiligen Effekt haben. Es ist so, als würde ein Empfangsgerät mit einem Grundrauschen rechnen (weil es selbst so senden würde), und daher bei zu wenig Rauschen die empfangenen Informationen falsch interpretieren, quantitativ ("zu wenig") als auch inhaltlich (da der Rauschfilter dennoch Informationen herausfiltert, und so wichtige Signale verloren gehen).

Dabei scheint es mir mehrere Arten von Rauschen zu geben. Eine Form des Rauschens ist die Informationsvervielfältigung. Die Information wird mehrfach weitergegeben, was beim Gegenüber als Redundanz wahrgenommen wird. Eine andere Form des Rauschens sind Abschweifungen vom Thema (das Bildnis oben vom Fernseher ist genau genommen Rauschen, auch wenn es einen Zweck hat). Eine weitere sind Details, die eigentlich nichts zur Sache beitragen. Dummerweise ist da aber nicht immer vorher klar, was wichtig ist, und was nicht.

Das betrifft nicht nur die verbale Kommunikation. Körpersprache und co kann ebenso Signal wie auch Rauschen liefern. Aber, und das ist der interessante Aspekt, meiner Erfahrung nach ist die "signal to noise ratio" dort zumeist (aber nicht immer!) besser. Tatsächlich, ich möchte hier an die Reihe über Motiverkennung erinnern, hilft es oft, Signal im Rauschen zu erkennen, wenn das Signal kongruent verbal wie auch nonverbal gesendet wird. Soll heißen, Wortsprache und Körpersprache im Einklang sind.

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