Mittwoch, 15. April 2015

Das Binärproblem

Binärcode, Nullen und Einsen. Eine einfache Welt. Schwarz und Weiß, Gut und Schlecht. Im Informatikbereich funktioniert binäre Sprache gut, da aus Nullen und Einsen alles aufgebaut wird. Egal ob diese Buchstaben, ein Musikstück oder ein Video - was immer Du auf dem Rechner (oder dem Smartphone) siehst, intern besteht es aus Nullen und Einsen. In gewisser Weise funktioniert auch unser Gehirn so. Was deine Augen gerade sehen, wird überhaupt erst einmal von Sinneszellen wahrgenommen. Oder eben nicht wahrgenommen. Sie kennen diese zwei Zustände, entweder sie nehmen wahr und feuern, signalisieren also "1"; oder sie nehmen nicht wahr und feuern nicht, signalisieren also "0". Zugegebenermaßen spielen hier auch Frequenz und Kontrasteffekte eine Rolle, aber nun gut. Darum soll es mir heute nicht gehen.

Auch nicht um Binärsprache. Mir geht es um Informationsverlust. Sowohl in der Forschung wie auch im medizinischen Kontext wie auch so ziemlich überall sonst kommt es zu riesigen Problemen, wenn auf einer Skala von 1 bis 10 (fast) alles zwischen der 1 und der 10 ausgeblendet wird. Oder anders gesagt, es wie beim Binärcode nur noch Nullen und Einsen gibt. Was meine ich mit Informationsverlust?

Wenn alles immer nur "gut" ist, wird schnell übersehen, was nicht gut ist und dabei noch nicht so schlecht, um auf "schlecht" umzufallen. Ich habe schwer depressive Leute erlebt, bei denen "alles perfekt, alles wunderbar" war. Und doch hat sich unter der Wahrnehmungsschwelle eine riesige Menge Unrat angesammelt, und es war alles andere als gut.

Wenn alles immer nur "schlecht" ist, ist es schwer, die wirklich großen Probleme zu erkennen. Oder auch nur Gefahren wahrzunehmen. Ich habe so etwas vor nicht allzu langer Zeit selbst erlebt. Jemand, bei dem alles immer eine Katastrophe, alles immer schlimm war - und als die Katastrophe wirklich eintrat, sie niemand mehr für voll nahm. Jedenfalls bei weitem nicht rechtzeitig.

Die Welt ist voller Schattierungen von Grau. Sie auszublenden, nun ja, das ist die eigene Entscheidung. Wichtig erscheint mir jedoch im Hinterkopf zu behalten, wenn man mit anderen Menschen arbeitet, es gibt doch so einige Menschen, welche in binären Denkmustern verhaftet sind. Wenn man das selbst weiß, lässt sich dem entgegen wirken. Allein schon, indem man die eigene Wahrnehmung schärft.

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