Sonntag, 17. Mai 2015

Die Sirenengesänge der schnellen Lösungen

Es ist verständlich, dass wir, wenn uns irgendwas quer sitzt, es am liebsten sofort ändern würden. In manchen Fällen geht das auch. In anderen jedoch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass oftmals gar nicht von Anfang an klar ist, ob mögliche schnelle Lösungen existieren.

So oder so, können von der Idee einer schnellen Lösung auch gewisse Gefahren ausgehen.

1. Die Lösung passt gar nicht zum Problem.
Beispiel, kürzlich blätterte ich bei einer Bekannten durch die Zeitungen und sah da so einen typischen "in einer Woche mit dieser Diät 5 Kilo abnehmen!"-Artikel. Die Zahl könnte sogar stimmen. Denn die empfohlenen Nahrungsmittel wirkten alle entwässernd. Nur was will man verlieren, wenn man abnehmen will? Fett oder Wasser?

2. Die Aussicht auf eine schnelle Veränderung sorgt für eine große Erwartungshaltung.
Problem daran ist, dass diese Erwartungshaltung einerseits für Stress sorgt (und Stress ist niemals gut), andererseits ebenso konstant der Status Quo überprüft wird. Wie sinnvoll ist es, beim Backen eines Kuchens alle fünf Minuten den Ofen aufzumachen? Das hilft nicht, das schadet.

3. Sie setzen oftmals nicht auf der Verhaltensebene ein.
Selbst wenn eine schnelle Lösung funktioniert, sagt das nichts darüber aus, inwieweit sie in Zukunft verhindert, dass das Problem erneut auftritt. Gerade wenn alle Formen von Gewohnheit dazu beigetragen haben sollten. Um Gewohnheiten dauerhaft zu verändern braucht es mindestens Wochen.

4. Je komplexer ein Problem ist, desto radikaler muss die "schnelle Lösung" sein.
Nehmen wir als Beispiel ein Haus, das saniert werden muss. Wenn genug kaputt ist, ist irgendwann die einzige verbleibende schnelle Lösung "abreißen". Jede Lösung, egal wie gut oder schlecht, egal wie schnell oder langfristig, hat Konsequenzen, hat ihren Preis. Je komplexer das Problem ist, desto höher wird dieser Preis bei schnellen Lösungen, auch im Vergleich zu langsameren Ansätzen.

Allerdings möchte ich hier nicht falsch verstanden werden. Es gibt diesen Spruch "für jedes Problem gibt es eine einfache Lösung, und die ist falsch", dem würde ich mich nicht notwendigerweise anschließen. Manche Dinge im Leben sind zeitkritisch, und dann kann es sich auch lohnen, den Preis für die schnelle Lösung zu zahlen. Aber man sollte vorher schauen, passt die schnelle Lösung zum Problem, und sorgt man durch Verhaltensänderungen mit dafür, dass das Problem nicht (so schnell) wieder auftritt?

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