Mittwoch, 6. Mai 2015

Primärer und sekundärer Krankheitsnutzen

Warum werden wir überhaupt krank? Hm. Das haben wir kaum in der Hand. Aber wie kommt es, dass wir Krankheitssymptome verspüren? Welchen Sinn hat es, dass wir leiden - körperlich, geistig - nur weil etwas nicht stimmt?

Hier kommt der primäre Krankheitsnutzen ins Spiel. Fieber z.B. hilft bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Schmerz bedeutet, irgendwo ist etwas kaputt und muss geschont werden (oder anderweitig nicht in Ordnung). Durch Erbrechen sollen mögliche Gifte im Magen entfernt werden, bevor sie noch mehr Schaden anrichten. Ist alles nicht schön, hat aber in den allermeisten Fällen einen Sinn.

Dann gibt es aber auch noch einen sekundären Krankheitsnutzen. Der ist schwieriger zu fassen. Das sind positive Nebeneffekte der Krankheit. Nehmen wir ein Schulkind, das vor einer Mathearbeit steht. Es überstresst sich, und der Stress resultiert z.B. in Magenkrämpfen, primärer Krankheitsgewinn Stressabbau (auf eine dysfunktionale Art und Weise, aber nun gut). Bleibt das Kind nun zuhause, muss also die Arbeit nicht mitschreiben, kommt es zum sekundären Krankheitsgewinn - eben der nicht mitgeschriebenen Arbeit. Was nun dummerweise die Wahrscheinlichkeit erhöht, auch in Zukunft zu somatisieren (also Stress durch körperliche Beschwerden auszudrücken).

Wichtig dabei ist, sekundärer Krankheitsgewinn ist keine Simulation! Ich habe schon einige richtig üble Fälle erlebt, wo Menschen sehr gelitten haben, teilweise auch schon eine Menge Therapieerfahrung hinter sich hatten, sie sehr änderungsmotiviert waren; und doch keine Besserung eintrat. Bis dann irgendwann einmal jemand auf die Idee kam, erst andere Möglichkeiten aufzuzeigen, dieselben Sekundärnutzen zu erreichen, ohne die Krankheit haben zu müssen.

"Krankheitsgewinn" klingt jetzt sehr klinisch. Kommt auch aus dem Bereich. Das Prinzip gilt jedoch für Probleme aus allen Lebenslagen.

Bewusste sekundäre Krankheitsgewinne sind meist sehr leicht zu identifizieren - da fehlt es dann der Person an Änderungsmotivation. Ist aber Änderungsmotivation da, aber baut sich das Problem immer wieder neu auf, dann könnte es sich um einen unbewussten Sekundärnutzen handeln, den man mit im Hinterkopf behalten sollte. Nimmt man den nämlich nicht mit, dann viel Glück.

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