Montag, 27. Juli 2015

Das Glücksspielautomatenproblem

Wie funktionieren Glücksspielautomaten? Man wirft Geld herein, und hat eine gewisse Chance, mehr Geld heraus zu bekommen. Unterm Strich - nach Millionen von Spielen - gewinnt unterm Strich die Bank, aber theoretisch besteht die Chance, schon früh den großen Gewinn abzuräumen. Oder mehrere kleine.

Dies ist das, was Menschen da bei der Stange hält. Die Ungewissheit, ob sie Erfolg haben - und falls ja, wie groß der Gewinn ist. Die alten Behavioristen nannten dies "intermittierende variable Quotenverstärkerpläne" - oder anders gesagt es gibt Gewinne nach einer bestimmten Quote, die aber sehr flexibel und unvorhersehbar umgesetzt wird, immer wieder unterbrochen von mehr oder weniger langen Strecken, in denen es keine Belohnung gibt.

Die alten Behavioristen stellten völlig zurecht fest, dass diese Art von Belohnung am längsten nachhallt, und das größte Suchtpotential hat.

Nur trifft es nicht nur in Spielhallen auf.

Sprechen wir doch mal einen Moment über Burn-Out. Das Lob vom Vorgesetzten, der Erfolg bei eigenen Projekten, ist sehr oft ähnlicher Natur. Dysfunktionale Beziehungen werden ebenfalls sehr oft aufrecht erhalten, weil sie eben doch manchmal funktionieren - wie auch der Spielautomat manchmal einen Gewinn ausschüttet.

Über alle Spiele gesehen gewinnt immer die Bank. Beim Glücksspiel. Im restlichen Leben? Da ist die Frage, was man selbst möchte. Und was nicht. Der erste Schritt ist, denke ich, ein Wissen um diesen Effekt. Um dann, als nächsten Schritt, einen langfristigeren Blick einzunehmen. Wie hoch ist die Gewinnquote? Kriegt man genauso viel zurück, oder gar mehr, als man einsetzt? Oder unterm Strich weniger? Obwohl, wie beim Glücksspielautomaten, gelegentliche Gewinne dazwischen sind?

Samstag, 18. Juli 2015

Zitate II

Meine absolute Lieblingsdefinition von Wahnsinn stammt nicht von einem Psychologen, sondern von einem Physiker. Albert Einstein, um genau zu sein.

"Wahnsinn ist, immer das Gleiche zu tun, und andere Ergebnisse zu erwarten."

Viele Menschen, die irgendwo Probleme haben, wollen darüber durchaus reden. Etwas jedoch anders machen? Soll sich doch eher die Welt ändern als man selbst! Funktioniert nur dummerweise nicht. Reden ist zum Beispiel in Therapien wenn dann nur Mittel zum Zweck - um neue Denkweisen anzuregen, um neue Verhaltensmöglichkeiten zu erschließen.

Tatsächlich ist eine der ersten Fragen, die ich mir im Kontakt mit Menschen stelle, folgende: "Wo ist am ehesten Beweglichkeit vorhanden?", wobei ich durchaus alles betrachte. Denken, Emotionen und was dazu gehört (Emotionen selbst, Wahrnehmung und Differenzierung, Regulation), Motivation (+Sekundärnutzen), Lernerfahrungen, Verhalten, Aufmerksamkeit, körperlicher Zustand, und dann da ansetze. Einfach weil es dort am einfachsten ist, die Leute dazu zu bringen, Neues auszuprobieren, Dinge zu ändern.

Denn alles beim Alten zu belassen? Das wäre Wahnsinn.

Dienstag, 14. Juli 2015

Der Bratpfannenmoment

Eine gute Freundin erzählte mir von einer Aktion zu Weihnachten. Da hat sie ein Geschenk, noch eingepackt, ihrem Freundeskreis präsentiert. Es war groß, luxuriös eingepackt, und die Frage stand damit einher "Was ist da wohl drin?"

Viele Vorschläge, viele Vermutungen kamen. Teils sehr ausgefallene. Deshalb sehr viel Spannung. Was es wohl ist? Was verbirgt sich hinter dem Geschenkpapier? Wer wird richtig gelegen haben, wenn sich das Geheimnis lüftet?

Am Ende war es eine Bratpfanne. Was ziemlichen Unglauben ausgelöst hat.

Seither benutze ich für solche Situatonen den Namen "Bratpfannenmoment". Erwartungshaltungen, die sich immer mehr anheizen, und am Ende ist es etwas ganz mundänes. Einfaches. Zu einfach, um dem Hype zu entsprechen. Zu einfach, um den Erwartungen gerecht zu werden. Doch es ist, was es ist. Und sei es nur eine Bratpfanne.

(Obligatorischer Hinweis, gute Bratpfannen sind für Leute, die sehr gern und gut kochen, durchaus eine tolle Sache.)

Was nun aber läuft bei einem Bratpfannenmoment eigentlich ab? Auf der einen Seite ist es ein "Blick hinter die Kulissen", wie ich es vor langer Zeit nannte. Es kann zu einer kompletten Neubewertung der Situation führen. Was sehr nützlich sein kann, aber auch das Potential für Frustration birgt. Für manche großen Probleme gibt es durchaus sehr einfache Lösungen; wirken sie zu einfach, hat man schnell einen negativen Bratpfanneneffekt.

Auf der anderen Seite führt der Moment der Enthüllung sehr kurzfristig zu einer geistigen Öffnung. Die Gedanken laufen in eine Richtung, und im Bratpfannenmoment laufen sie komplett ins Leere und es kommt zu einer geistigen Leere. Die kann genutzt werden, um da neue Perspektiven zu vermitteln, denn dann ist der Geist ganz besonders weit offen. Das ist eine Folge von Überraschungen, und auch Bratpfannenmomente sind eine Überraschung.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Zitate I

Es gibt einige Aussagen, die nur zu perfekt auch in den Bereich der Psychologie passen. Manchmal sich auch auf ihn beziehen. Manchmal scheinbar ganz woanders hinzeigen. Jedoch allesamt nicht von Psychologen stammen.

Fangen wir also einmal mit Rumsfeld an, einem ehemaligen US-amerikanischen Verteidigungsminister:
"Es gibt das Bekannte, das bekannte Unbekannte, und das unbekannte Unbekannte."

Bezog sich auf die Unwägbarkeiten des Krieges. Allerdings ist hier eine wunderbare Einteilung dessen da, was außerhalb unseres Bewusstseins ist. Einerseits ganz auf uns selbst bezogen, manche Dinge sind uns so halbbewusst klar, im Sinne von "da stimmt was nicht", nur bereit oder in der Lage hinzuschauen sind wir nicht. Genauso können da aber auch Dinge sein, die so weit fort, so tief vergraben, oder auch einfach nur so fremdartig, dass wir wenn wir erstmals mit neuen Situationen konfrontiert werden, von uns selbst überrascht sind. Stärker aber noch im zwischenmenschlichen Kontakt. Wenn jemand sagt, er hätte Angst, dann kann ich sehr davon ausgehen ("bekannte Unbekannte"), dass er die Situation auf bestimmte Art betrachtet. Ebenso, hier aber ist so ein Übergang, kann ich damit rechnen, dass hier bestimmte Lernerfahrungen in der Vergangenheit liegen. Ich weiß aber nicht ("unbekanntes Unbekannte"), was neben der Angst noch existiert. Da kann man nachfragen. Ob jedoch alles gesagt wird, ist wieder so die Frage. Alleine schon, ob überhaupt manche Sachen in Worte gefasst werden können.

Ohnehin passt dieses Zitat auch gut zu Angststörungen. Hier wird sehr oft das Bekannte (also das, was ist) vermengt mit dem, was für das "bekannte Unbekannte" gehalten wird - also die Erwartungen, wie wahrscheinlich etwas (negativ!) passieren könnte. Was da alles sein könnte.

Wieso nun ist dieses Zitat noch schön? Weil es den Geist zu öffnen vermag. Im Sinne von da ist immer noch mehr als das, was man sieht, was man erwartet, womit man doch irgendwie rechnet. Da ist eine nahezu unendliche Möglichkeit im "unbekannten Unbekannten", immer auch für Positives.