Dienstag, 14. Juli 2015

Der Bratpfannenmoment

Eine gute Freundin erzählte mir von einer Aktion zu Weihnachten. Da hat sie ein Geschenk, noch eingepackt, ihrem Freundeskreis präsentiert. Es war groß, luxuriös eingepackt, und die Frage stand damit einher "Was ist da wohl drin?"

Viele Vorschläge, viele Vermutungen kamen. Teils sehr ausgefallene. Deshalb sehr viel Spannung. Was es wohl ist? Was verbirgt sich hinter dem Geschenkpapier? Wer wird richtig gelegen haben, wenn sich das Geheimnis lüftet?

Am Ende war es eine Bratpfanne. Was ziemlichen Unglauben ausgelöst hat.

Seither benutze ich für solche Situatonen den Namen "Bratpfannenmoment". Erwartungshaltungen, die sich immer mehr anheizen, und am Ende ist es etwas ganz mundänes. Einfaches. Zu einfach, um dem Hype zu entsprechen. Zu einfach, um den Erwartungen gerecht zu werden. Doch es ist, was es ist. Und sei es nur eine Bratpfanne.

(Obligatorischer Hinweis, gute Bratpfannen sind für Leute, die sehr gern und gut kochen, durchaus eine tolle Sache.)

Was nun aber läuft bei einem Bratpfannenmoment eigentlich ab? Auf der einen Seite ist es ein "Blick hinter die Kulissen", wie ich es vor langer Zeit nannte. Es kann zu einer kompletten Neubewertung der Situation führen. Was sehr nützlich sein kann, aber auch das Potential für Frustration birgt. Für manche großen Probleme gibt es durchaus sehr einfache Lösungen; wirken sie zu einfach, hat man schnell einen negativen Bratpfanneneffekt.

Auf der anderen Seite führt der Moment der Enthüllung sehr kurzfristig zu einer geistigen Öffnung. Die Gedanken laufen in eine Richtung, und im Bratpfannenmoment laufen sie komplett ins Leere und es kommt zu einer geistigen Leere. Die kann genutzt werden, um da neue Perspektiven zu vermitteln, denn dann ist der Geist ganz besonders weit offen. Das ist eine Folge von Überraschungen, und auch Bratpfannenmomente sind eine Überraschung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen