Freitag, 14. August 2015

Volldampf voraus!

Stell dir vor, ein Dampfschiff fährt auf einen Eisberg zu. Was kann man nun tun, um das Schiff zu retten?

- Dem Kapitän den Kurs ändern lassen. Dies ist der Ansatz direkt am Verhalten, was immer dann Sinn ergibt, wenn sowohl Schiff, Steuerung und Besatzung ansonsten, also vom Verhalten abgesehen, in Ordnung sind.

- Den Eisberg in so kleine Stücke sprengen, bis das Schiff so, wie es ist, durchfahren kann. Dies ist ein Teil des umweltorientierten Ansatzes. Hier ist kaum bis keine Änderung am Schiff notwendig. Dafür aber am Eisberg, was nicht immer möglich ist.

Was nun, wenn der Eisberg nicht gesprengt werden kann, und das Schiff immer wieder auf den Kollisionskurs zurückkehrt, oder gar nicht davon abweicht?

- Vielleicht will der Kapitän nicht hören, oder die Steuerung funktioniert nicht richtig. Hier wäre eine Arbeit direkt an der Kontrollebene sinnvoll, heißt am Verstand. Kognitive Ansätze wären hier sinnvoll.

- Vielleicht stimmt jedoch auch mit dem ganzen Schiff etwas nicht, sei es Ruder, Maschine, eine meuternde oder sabotierende Mannschaft. Hier wird es schon aufwendiger. Jede Form der Arbeit mit un(ter)bewussten Prozessen stünde dann an.

Stellen wir uns weiter vor, beides schlägt fehl. Die Kollision kann nicht verhindert werden. Was dann?

- Die Hülle des Schiffes verstärken. Dies ist Resilienzaufbau. Schauen, dass das Schiff die Kollision überlebt.

- Notrufe absetzen, Rettungsboote nutzen und schwimmen. Durch das Unglück gehen und überleben, auch wenn das Schiff es nicht tut. Akzeptanzbasierte Ansätze.

Interessant ist nun, oft ist auf den ersten Blick gar nicht sichtbar, welcher Ansatz nun erfolgsversprechend ist. Sie sind auch unterschiedlich tiefgreifend. Lässt sich ein Problem rein auf der Verhaltens- oder auf der Umweltebene ändern, so braucht sich die Person nicht zu ändern, was alles sehr viel einfacher macht. Bloß dafür sollte das Schiff voll funktional sein, denn ansonsten klappt das nicht, oder man verstärkt gar das Problem. An Denkprozessen zu arbeiten ist, wenn die Person diesbezüglich zugänglich ist, leichter, als an un(ter)bewussten Prozessen. Bloß klappt das nur, wenn der Rest des Schiffs funktional ist. Ist er es nicht, muss man da heran. Wodurch einerseits der Aufwand steigt, und es andererseits auch größerer, tiefgreifenderer Änderungen bedarf.

Und wenn diese nicht machbar sind, dann eben schauen, das Beste aus der Situation zu machen. Oder, wie mal jemand so schön sagte, schwimmen lernen.

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