Mittwoch, 9. Dezember 2015

Der (Sirenen-)Gesang der Vergangenheit

Ganz rein objektiv gesprochen ist die Vergangenheit das, was vorbei ist. Gerade wenn wir älter werden scheint die späte Kindheit und Jugend irgendwann sehr fern zu sein. Obschon jene Zeit den meisten so lang erschien. Wie das halbe Leben. Aber heute soll es nicht um subjektive Zeitempfindungen gehen.
 
Immer wieder zu Feiertagen kramen viele Menschen Rituale heraus. Man denke nur an das für die Familie typische Weihnachtsessen. Schmuck. Musik. Dahinter steckt mehr als nur Atmosphäre, mehr als nur Stimmung. Dahinter stecken emotionale Brücken. Die Sachen, mit denen wir aufgewachsen sind, üben einen sehr starken Reiz des Vertrauten aus.
 
Einen Reiz, der sich durchaus nutzen lässt. Selbst Demenzkranke, die geistig extrem abgebaut haben, empfinden oft immer noch Freude bei den Beschäftigungen aus ihrer Jugend. Selbst wenn jene vergessen sind. Ein Extrembeispiel, ja.
 
Erinnerungen an Jugendtage üben einen Reiz aus. Beschäftigungen, Einrichtung, Musik, Filme, Kultur... all das hilft den Kontakt zu den Teilen in uns wieder aufzubauen, die im Laufe des Lebens verschütt gehen.
 
Es erklärt auch manche Besonderheiten. Beispielsweise wenn etwas auf den ersten Blick Schlechtes gemocht wird, und sei es auch nur so etwas wie Urlaube in einer notorisch verregneten Gegend. Mehr als suboptimale Wohnorte. Der alljährliche Familienstreit. Mag alles nicht schön sein, aber es ist vertraut.
 
Daher auch Sirenengesang. Die Anziehungskraft können wir positiv für uns nutzen, um so Freude wiederzuentdecken. Nur empfiehlt sich da auch eine gewisse Achtsamkeit, um nicht in problematische Gewässer abzudriften. Denn nicht alles, was früher da war, war auch gut. Auch wenn unsere Erinnerung uns das manchmal so zu verkaufen versucht.

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