Sonntag, 28. Februar 2016

Das Problem mit den problematischen Glaubenssätzen...

Irgendwie stelle ich mir immer mal wieder folgende Situation vor. Da bemerkt jemand ein paar sehr tiefsitzende problematische Grundüberzeugungen zu haben, im Volksmund Glaubenssätze, sucht dann nach denen im Internet. Findet diverse Treffer a la "Glaubenssätze auflösen in 30 Minuten!", probiert das aus, und es will und will einfach nicht klappen.

Genauso auch folgende Situation. Jemand bemerkt obiges Problem, sucht professionelle Hilfe auf (egal ob Berater, Therapeut, was auch immer). Vermutlich wird jene Hilfe recht bald über etwas anderes sprechen wollen. Aber es soll doch um den Glaubenssatz gehen! Widerstand dagegen, von dem abzulassen. Abwehr gegen die anderen Ideen. Zack, nächste Niete.

Ich denke jetzt einfach mal laut. Das Problem an dem, was so gemeinhin als Glaubenssatz durch die Gegend geistert, ist nicht der eigentliche Glaubenssatz. Kennst Du Anglerfische? Stell dir vor, da wäre so ein Anglerfisch bei dir. Ekelige Fischis, haben so eine Art Tentakel übern Kopf, dessen Ende wie ein Wurm aussieht und leicht glüht. So kommen immer wieder Fische in die Nähe, wollen sich den Wurm schnappen, und werden stattdessen vom Anglerfisch erwischt.

Das, was wir als Glaubenssatz wahrnehmen, ist so ein Wurmteil, der Köder, oder die Ampel, des Anglerfischs.

Zu einem Glaubenssatz gehören gemeinhin folgende Teile:
- Der bewusste Glaubenssatz selbst.
- Der Nachteil des Glaubenssatzes.
- Der Vorteil des Glaubenssatzes.
- Die Begründung.
- Die erwartete Konsequenz, wenn der Glaubenssatz eingehalten wird.
- Die erwartete Konsequenz, wenn der Glaubenssatz nicht eingehalten wird.

Möglich sind auch noch mehr, keine Frage. Die ersten beiden Punkte sind in aller Regel bewusst. Der dritte Punkt wird zumeist komplett ausgeblendet. Die letzten drei Punkte wiederum sind jene, wo sich dann oft eine emotionale Aufladung findet - bei einem oder bei mehreren.

Der bzw. die Punkte, die emotional aufgeladen sind, sind der eigentliche Glaubenssatz. Das ist der Anglerfisch, und nicht der Wurmköder. Diese Teile wiederum lassen sich dann auch mit all den verschiedenen Methoden (egal ob Reframing, Realitätstestung, was auch immer) bearbeiten. Und dann ändert sich auch was.

Problem dabei ist nur, diese Teile sind zumeist nicht bewusst. Daher ist es hier wichtig der Emotion zu folgen und nicht zu rationalisieren. Weshalb ist jetzt eine bestimmte Emotion hochgekommen? Was sagt die aus, worauf deutet sie hin? Wodurch wird sie ausgelöst? Was will die Emotion erreichen? Dadurch kommt man dann der oftmals nichtrationalen Logik des Glaubenssatzes auf die Spur und an die wirklich zubeißenden Punkte.

Das ist jedenfalls meine Beobachtung bisher gewesen.

Sonntag, 21. Februar 2016

Zitronensprudel und andere Erwartungen

Kleines Experiment: Mineralwasser (mit Kohlensäure) kaufen, dazu eine Zitrone und eine Flasche Zitronensprudel / Zitronenlimonade. Zitrone aufschneiden, in Mineralwasser auspressen (je nach Geschmack halbe oder ganze Zitrone). Dann den selbstgemachten Zitronensprudel mit dem gekauften Zitronensprudel vergleichen.

Was wird auffallen? Sie schmecken völlig anders. Das hängt sicher teilweise mit dem Zuckergehalt zusammen, aber nicht nur. Auch wenn du im selbstgemachten Sprudel genauso viel Zucker auflösen würdest, gäbe es nicht den Geschmack des gekauften Zitronensprudels.

Ich denke gerade auch an diverse Soundeffekte im Fernsehen. Manche klingen recht realistisch, sehr (sehr) viele jedoch völlig anders als in der Realität. Tatsächlich haben sich viele so verselbständigt, dass Zuschauer die unechten Soundeffekte erwarten. Genauso, wie wir einen bestimmten Geschmack erwarten.

Das sind jetzt harmlose kleine Gedankenspiele. Gehen wir jedoch in unsere Lebensumwelt, dann wird es haariger. In gewisser Weise haben wir eine Landkarte über die Welt im Kopf, die alles umfasst - von Kleinigkeiten wie dem Geschmack von Zitronensprudel über die Art wie Pferdehufe klingen bis hin zu wirklich großen Ideen darüber, wie die Welt funktioniert. Bezogen auf uns selbst (z.B. was macht uns glücklich?), bezogen auf die Arbeitswelt (z.B. wie viel Einsatz wird erwartet?), bezogen auf Freundschaften, Beziehungen, oder darauf, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Unsere persönliche Landkarte ist immer eine mehr oder weniger funktionale Abstraktion der Wirklichkeit. Interessant ist nun, je mehr unsere Karte von der Wirklichkeit abweicht, desto mehr Probleme gibt es in den allermeisten Fällen.

Nur die große Frage ist, wie können wir diese Abweichungen zwischen Karte und Wirklichkeit herausfinden?

Vielleicht schon, indem man ein Mineralwasser, eine Zitrone und eine Flasche Zitronensprudel kauft...