Sonntag, 21. Februar 2016

Zitronensprudel und andere Erwartungen

Kleines Experiment: Mineralwasser (mit Kohlensäure) kaufen, dazu eine Zitrone und eine Flasche Zitronensprudel / Zitronenlimonade. Zitrone aufschneiden, in Mineralwasser auspressen (je nach Geschmack halbe oder ganze Zitrone). Dann den selbstgemachten Zitronensprudel mit dem gekauften Zitronensprudel vergleichen.

Was wird auffallen? Sie schmecken völlig anders. Das hängt sicher teilweise mit dem Zuckergehalt zusammen, aber nicht nur. Auch wenn du im selbstgemachten Sprudel genauso viel Zucker auflösen würdest, gäbe es nicht den Geschmack des gekauften Zitronensprudels.

Ich denke gerade auch an diverse Soundeffekte im Fernsehen. Manche klingen recht realistisch, sehr (sehr) viele jedoch völlig anders als in der Realität. Tatsächlich haben sich viele so verselbständigt, dass Zuschauer die unechten Soundeffekte erwarten. Genauso, wie wir einen bestimmten Geschmack erwarten.

Das sind jetzt harmlose kleine Gedankenspiele. Gehen wir jedoch in unsere Lebensumwelt, dann wird es haariger. In gewisser Weise haben wir eine Landkarte über die Welt im Kopf, die alles umfasst - von Kleinigkeiten wie dem Geschmack von Zitronensprudel über die Art wie Pferdehufe klingen bis hin zu wirklich großen Ideen darüber, wie die Welt funktioniert. Bezogen auf uns selbst (z.B. was macht uns glücklich?), bezogen auf die Arbeitswelt (z.B. wie viel Einsatz wird erwartet?), bezogen auf Freundschaften, Beziehungen, oder darauf, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Unsere persönliche Landkarte ist immer eine mehr oder weniger funktionale Abstraktion der Wirklichkeit. Interessant ist nun, je mehr unsere Karte von der Wirklichkeit abweicht, desto mehr Probleme gibt es in den allermeisten Fällen.

Nur die große Frage ist, wie können wir diese Abweichungen zwischen Karte und Wirklichkeit herausfinden?

Vielleicht schon, indem man ein Mineralwasser, eine Zitrone und eine Flasche Zitronensprudel kauft...

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