Samstag, 26. März 2016

Die Logik des Alogischen III

Punkt 6: Wenn unser Leben ein Kinofilm wäre, dann wäre das Bewusstsein der Kinogänger und das Unbewusste der Kameramann. Das Unterbewusstsein verarbeitet wesentlich mehr Informationen, selektiert sie, und greift sogar auf mehr Informationsquellen zu als unser Bewusstsein. Zwei Beispiele dafür, eins alltäglich, ein sehr krass. Alltäglich ist der "Cocktailparty-Effekt" - in einem Raum voller Gespräche, in dem wir uns unterhalten, und von den anderen Unterhaltungen woanders nur Hintergrundrauschen mitbekommen, kein einziges Wort, sagt jemand unseren Namen und wir hören das. Genauso wenn auf der Straße jemand unseren Namen (statt einen anderen) ruft. Wieso hören wir ausgerechnet das, und nicht die unzähligen anderen Wörter und Gespräche und Geräusche? Nun, "wir" hören alles - also unser Unterbewusstes. Nur filtert es einen Großteil heraus. Außer, etwas ist wichtig. Wie zum Beispiel unseren Namen. Dann wird es dem Bewusstsein mitgeteilt.
Nun gehen wir mal kurz in die physiologische Psychologie. Der Teil unseres Gehirns, der die Informationen des Auges zu den Bildern umwandelt, den unser Bewusstsein sieht, ist der so genannte Occipitallappen (Schreibweise kann variieren, jedenfalls das Stück Gehirn im Hinterkopf). Wird der Occipitallappen beschädigt/zerstört, dann sehen wir nichts mehr. Dachte man früher. Tatsächlich sehen Betroffene nichts, sie sind komplett blind. Und doch sehen sie, so reagieren sie beispielsweise auf die Gesichter von Mitmenschen, spiegeln sie zum Beispiel. Selbst wenn es sich dabei nur um Bilder (Fotos, Computerdarstellungen) handelt, also Sprache und so als alternative Informationsquelle ausscheiden. Wie kann das sein? Die Informationen vom Auge werden im Gehirn an mehreren Stellen verarbeitet, der Occipitallappen ist für das bewusste Sehen zuständig (daher die Blindheit), aber es gibt noch andere Bahnen. (Das gilt natürlich nicht für Leute, die durch Augenschäden erblindet sind! Dieser Effekt findet sich, wie erwähnt, bei Schädigung des Occipitallappens.)
Lange Rede kurzer Sinn, das Bewusstsein greift auf sehr viel weniger Informationen zurück als das Unbewusste. Insofern obiges Gleichnis - der Kinogänger sieht nur den Film, der Kameramann sieht den Film und alles, was darum herum bei den Dreharbeiten noch ablief. Es selektiert und es bekommt mehr mit.

Punkt 7: Gleichzeitig, und dies ist ein sehr kurzer Punkt, kann das Unbewusste nicht auf so genanntes semantisches Wissen zugreifen. Semantisches Wissen ist Faktenwissen, nicht emotional aufgeladene Informationen. Wie zum Beispiel dein letztes schönes Osterfest war, das weiß sowohl Bewusstsein als auch Unbewusstsein. Was die Hauptstadt von Russland ist (sofern diese Information nicht emotional aufgeladen ist) hingegen nur das Bewusstsein. Das ist übrigens der Grund, weshalb man Spinnenphobikern lange und ausführlich schildern kann, dass Spinnen harmlos sind, und es gar nichts bringt - dadurch wird nur semantisches Wissen aufgebaut, und darauf kann das Unbewusste nicht zugreifen.

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