Samstag, 23. April 2016

Blogaufräumung I

Blogs haben mehrere Nachteile. Einer ist, dass Artikelreihen in falscher Reihenfolge angezeigt werden. Ein anderer ist, dass noch Jahre später etwas im Netz steht, wozu man möglicherweise gar nicht mehr steht. Oder was man selbst für überholt hält. Kurz gesagt, wo Aktualisierungsbedarf besteht. Nun könnte ich da in jahrealten Beiträgen rumpfuschen, nur wäre das kaum aufrichtig. So ein Blog zeichnet auch immer die persönliche Entwicklung ab.

Heute: Aufmerksamkeit

Es gibt zwei Aufmerksamkeiten, die zusammenarbeiten. Gerade zum Beispiel liest du diesen Beitrag, heißt deine direkte Aufmerksamkeit ist auf den Bildschirm gerichtet. Gleichzeitig gibt es noch eine umfassendere Aufmerksamkeit, eine eher wachsame Aufmerksamkeit, die zugleich auch noch Dinge aus der Umwelt wahrnimmt. Angefangen davon, was rechts und links neben dem Bildschirm ist, welche Geräusche im Raum sind, welche Temperatur die Luft hat und sehr, sehr viel mehr.
Die direkte Aufmerksamkeit fokussiert und analysiert. Die wachsame Aufmerksamkeit stellt einerseits den Kontext zur Verfügung, arbeitet andererseits als Signalfinder, betrachtet dabei viel mehr Zusammenhänge und Veränderungen.

Beispiel der Cocktailpartyeffekt - wenn du in einem lauten Raum ein Gespräch führst, ist deine direkte Aufmerksamkeit auf dem Gespräch, vom Rest bekommst du kaum etwas mit. Wenn aber jemand deinen Namen sagt (Signalfinder!) dann tritt das in den Fokus.

Im vergangenen Beiträgen hatte ich diese wachsame Aufmerksamkeit ausgeblendet (ich bin mir der Ironie bewusst). Dies ist deswegen unglücklich, weil der wachsamen Aufmerksamkeit in mehreren Kontexten eine zentrale Rolle zukommt. Beispiele:
- Framing funktioniert sehr stark über Informationen in der wachsamen Aufmerksamkeit. Daher darf Framing auch nicht zu offensichtlich sein, denn sobald die direkte Aufmerksamkeit darauf fällt besteht die Gefahr, dass das Framing analysiert wird und damit seine Wirkung verliert.
- Bei Panikstörungen springt die wachsame Aufmerksamkeit extrem oft auf "falsch Positive" an, welche dann (wenn die direkte Aufmerksamkeit darauf fällt) sich auch noch verstärkt und dann erst den Panikkreislauf so richtig in Schwung bringt.
- Wenn wir etwas genießen, dann hat das auch sehr viel mit der wachsamen Aufmerksamkeit zu tun.

Und genau hier sollte ich weiter ausholen. Denn die wachsame Aufmerksamkeit ist in gewisser Weise trainierbar. Sie arbeitet nicht unabhängig vom Bewusstsein. Wie viel nehmen wir von unserer Umwelt wahr? Welche Zusammenhänge betrachtet überhaupt die wachsame Aufmerksamkeit? So lernen wir im Straßenverkehr immer mehr Zusammenhänge zu bemerken. Daher in der theoretischen Prüfung auch eine Bildfrage, bei der genau so ein falscher Zusammenhang hergestellt wird (durch Bebauung und Straßenführung die typisch für eine Vorfahrtsstraße ist, es aber keine Vorfahrtsstraße ist). Was hat das nun mit Genuss zu tun? Positive Empfindungen im Körper in seiner Gesamtheit wahrzunehmen ist Teil des Genusses, nur wenn die Wahrnehmung überall sonst ist, dann ist das schwierig. Manche körperorientierten Verfahren (z.B. Feldenkrais) genauso wie Entspannungsverfahren (z.B. AT) steigern die positive wachsame Aufmerksamkeit bezogen auf den eigenen Körper, was wiederum auch die Genussfähigkeit verbessern kann.

Lange Rede kurzer Sinn, beide Formen der Aufmerksamkeit sind bedeutsam und gebühren... Aufmerksamkeit. Nicht nur, wie im ersten Beitrag, der einen Art.

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