Freitag, 20. Mai 2016

Ansatzpunkte IV

Nicht heute: Kognition III - Glaubenssätze
Hier möchte ich auf einen älteren Beitrag verweisen.
 
Heute: Metakognition
 
Metakognition ist ein seltsames Konzept. Kurz gesagt beschreibt es das Denken über das Denken, ebenso auch die Beobachterperspektive beim Denken. Das alte buddhistische Konzept und neuerdings sehr moderne Konzept der Achtsamkeit ist nichts anderes als ein Ausdruck von Metakognition.
 
Metakognition ist deshalb ein hochinteressanter Ansatzpunkt, weil sich damit Probleme lösen lassen, während sie gerade entstehen. Und zudem eine riesige Reihe weiterer Probleme überhaupt erstmal entdecken lassen. Abstraktes Beispiel, im Außen passiert X, bei der Person ergibt sich in Folge als Reaktion Z. Oftmals ist sich die Person gar nicht bewusst, dass und wie sie im Innern reagiert, also was beim Punkt Y abläuft - seien es Gedanken, Emotionen, Reaktionen auf die Gedanken und Emotionen. Hier bei X oder Z anzusetzen hilft durchaus auch (z.B. Affekttoleranzübungen, Stimuluskontrolle, und so weiter), doch was wirklich interessant ist, ist, was dazwischen passiert.
 
Metakognition erlaubt zwei Dinge. Erstens erlaubt es Abläufe zu entautomatisieren. Das ist der erste Schritt um sie zu verändern. Tatsächlich verändern sich diese bei vielen Menschen (ich bin mir der Ironie bewusst) automatisch, sobald sie bewusst sind. Gerade bei sehr lange bestehenden Denk-, Verhaltens- und Gefühlsmustern ist dies häufig notwendig, um überhaupt nachzuvollziehen, was da abläuft.
 
Zweitens führt Metakognition auch zu einem hochgradig nützlichen Lerneffekt. Nämlich die Vergänglichkeit - von Gedanken und Gefühlen. Sie ändern sich ständig, kommen, gehen. Sind wie Wellen auf dem Ozean. Dadurch verlieren sie ihren Schrecken, denn sie gehen. Und je weniger man sie festhält, desto schneller gehen sie wieder. Das ist jedoch etwas, was erlebt werden sollte.
 
Wie lässt sich Metakognition nutzen? Metakognition ist etwas, das Training bedarf. Primär geht es um das Beobachten innerer Vorgänge. Beispiele wären Gedanken beobachten, den inneren Dialog beobachten, in Problemsituationen den Blick nach innen zu richten. Hilfreich dabei sind auch Metaphern, wie beispielsweise sich selbst in einen Fernseher beobachten (gerade um emotionale Wucht abzufangen; Metakognitionsübungen können zwar mit Expositionen in sensu verbunden werden, also mit Konfrontationen im Geist, das macht sie aber ungleich schwieriger durchzuführen).
 
Metakognition ist jedoch an zwei Voraussetzungen gebunden. Erstens, für was auch immer man es einsetzt, das Bewusstsein (also kognitive Prozesse) muss daran beteiligt sein. Bei einer klassischen spezifischen Phobie (z.B. Spinnenphobie) ist der Einsatz nur sehr bedingt sinnvoll (Aufbau Affekttoleranz durch den Vergänglichkeitslerneffekt). Zweitens setzt Metakognition die Fähigkeit und Bereitschaft voraus nach innen zu schauen.

Dienstag, 10. Mai 2016

Ansatzpunkte III

Heute: Kognition II - Heuristiken

Heuristiken sind Daumenregeln. Unser Gehirn benutzt sehr, sehr viele Daumenregeln. Allein schon, damit wir in der Welt zurecht kommen. Einfaches Beispiel, wir haben eine Heuristik im Kopf wie Türgriffe funktionieren, unabhängig vom Aussehen der Tür. Dieses Beispiel kommt mir immer im Sinn, da bei meinen Großeltern der Haustürgriff gedreht war. Er funktionierte genauso wie ein normaler Türgriff, nur eben von senkrecht nach oben hin nach rechts zu ziehen. Allein das führte dazu, dass viele mit der Tür nicht umgehen konnten.

Heuristiken, das ist das Schwierige, können sowohl funktional als auch dysfunktional sein. Schlimmer noch, dieselbe Heuristikidee kann beides sein. Auch hierfür ein Beispiel!

- Alle Waffen sind geladen: Heuristik, die in den USA allen Leuten, die irgendwie mit Waffen zu tun haben, nahegelegt wird. Selbst wenn man sich sicher ist, dass man Tags zuvor die eigene Waffe entladen hat. Dennoch so mit umgehen, als wäre sie geladen. Sinn dahinter ist mögliche tödliche Unfälle zu verhindern. Wie leider immer wieder auftretende Unfälle, bei denen diese Heuristik nicht genutzt wurde, zeigte, eine sehr nützliche Grundannahme.

- Alle Mitglieder des anderen Geschlechts sind Schweine: Heuristik, die leider doch so manche Menschen nach enttäuschenden Beziehungserfahrungen ausbilden. Die Struktur ist identisch mit der obigen Heuristik - beides sind Verallgemeinerungen/Generalisierungen, bloß handelt es sich hier um eine Heuristik, die sich in einer Art im Verhalten niederschlagen wird, dass eine erfüllte Partnerschaft vorsichtig formuliert schwierig wird.

Wie lassen sich Heuristiken erkennen? An bestimmten Eigenheiten. Folgende Liste ist nicht vollständig!
- Verallgemeinerungen (z.B. "alle", "immer"; genauso aber auch "nie").
- Zwangswörter (z.B. "muss")
- Zusammenhangsherstellung (z.B. "x führt zu y")
- Gleichsetzungen (z.B. "x ist y", "x bedeutet y")
- verschiedenste Sprichwörter sind Heuristiken (z.B. "wer den Pfennig nicht ehrt...")
- Fehlende Elemente, z.B. wenn bei einer regelhaften Aussage "man" benutzt wird, oder eine Tätigkeit nicht genannt wird, heißt alle Arten von Unvollständigkeiten.
=> Kurz gesagt, alles, was nach Daumenregel aussieht, ist sehr wahrscheinlich eine.

Wichtig zum Verständnis ist, dass wir Menschen Heuristiken brauchen. Ohne Heuristiken drehen wir durch - entweder, weil wir geistig überladen im Versuch alles umfassend-rational zu betrachten; oder, weil die Welt unberechenbar für uns wird. Heuristiken per se sind nicht schlecht. Bestimmte Heuristiken können schlecht sein. Die gilt es zu verändern. Dabei ist auch wichtig, dass kein luftleerer bzw. heuristikleerer Raum entsteht. Heißt die Heuristik wird verändert, ergänzt oder ersetzt, aber nicht ersatzlos gestrichen.

Wie lassen sich problematische Heuristiken verändern? Der schnellste Weg ist durch eine direkte Realitätstestung. Heißt überprüfen, stimmt die Annahme überhaupt? Hierbei gilt, die Vorhersagen sollen möglichst konkret sein (sonst wird rückwirkend rationalisiert), dann möglichst realitätsnah testen.
Ansonsten lassen sich Heuristiken auch "kaputtdiskutieren", sei es über die Schiene, inwieweit diese funktionieren, inwieweit es Lücken gibt, Reframingstrategien; auch sind Heuristiken anfällig für Logik und Pseudologik. Das ist aber immer eine inelegante Lösung. Besser ist es sie zu testen. Oder, bei sehr schrägen Heuristiken, in der Entstehung zu erkunden (wie kam es zu dieser Heuristik?) und die Entstehung zu bearbeiten. Auch im Sinne davon, aus einer Erfahrung andere Lehren zu ziehen, als bisher gezogen worden sind (und somit andere Heuristiken zu bekommen).

Hier sind allerdings wieder Einschränkungen. Hauptproblem, stark motivational/emotional aufgeladene Heuristiken lassen sich in aller Regel kaum direkt verändern. Hier muss die Motivation/Emotion mitgenommen werden, oder die dahinter steckende Motivation/Emotion bearbeitet werden. Weiterhin benötigt die Arbeit an Heuristiken zumindest soweit eine Einsichtsfähigkeit, dass es sich bei den geistigen Daumenregeln nicht um absolute Wahrheiten handelt. Ist diese Einsichtsfähigkeit aus welchen Gründen auch immer nicht gegeben, dann lassen sie sich wiederum nicht verändern und es muss erst die Einsichtsfähigkeit aufgebaut werden.

Schließlich noch sei angemerkt, dass Heuristiken häufig etwas von einem Eisberg haben. Ein Teil springt ein an, andere Teile jedoch nicht. Zum Beispiel die Erklärung für die Heuristik, die sich aus ihr ableitenden Folgen bei Einhaltung und Nichteinhaltung. Diese sind zum Verständnis und zur Bearbeitung wichtig.

Samstag, 7. Mai 2016

Ansatzpunkte II

Heute: Kognition I - Denken
 
Kognition ist so ein lustiges Fachwort, abgeleitet vom lateinischen Wort für Denken. Wieso es verwendet, obwohl es etwas vom "weißen Schimmel" hat, ist einfach - Kognition umfasst mehr als nur das, was im Alltagsverständnis unter "Denken" fällt (z.B. die unbewusste Anwendung von Daumenregeln). Heute aber soll es nur ums Denken gehen.
 
Und da ist direkt das erste Problem. Was ist der Unterschied zwischen Gedanken und Denken? Stell dir vor, du stehst vor einem Wald. Kein Weg hindurch. Also schlägst du eine Schneise hindurch. Das ist Denken. Diese Schneise immer wieder und wieder zu benutzen, das wären Gedanken. Grundsätzlich ist das Gehirn extrem denkfaul. Es benutzt dieselben Schneisen wieder und wieder und wieder, daher sind 90% deiner Gedanken heute wahrscheinlich dieselben wie gestern, und vorgestern. Wenn die Schneise nun einen guten Weg ergibt, dann ist das kein Problem.

Was aber, wenn die Schneise durch Sümpfe und Dorngebüsch führt? Und am Ende vielleicht sogar gar nicht dahin führt, wo du hin willst?
 
Aus dem Grund ist es wichtig, dass das Gehirn wieder anfängt zu denken. Gedanken also wieder in Denken verwandeln. Da gibt es ganz verschiedene Möglichkeiten. Alles im Bereich Reframing wirft das Gehirn von der Schneise zurück in den Wald. Realitätsüberprüfungen, stimmen die Annahmen und Voraussagen der Gedanken? Erkunden alternativer Gedankengänge (heißt für das Gehirn ab zurück in den Wald), oder einfach nur die Gedanken selbst zerpflücken um alternative Pfade im Wald zu finden. Sei es, um das Moor und Dorngebüsch zu umgehen, oder gar woanders rauszukommen.
 
Das sind per se sehr hilfreiche Techniken, sie haben jedoch zwei Schwächen.
 
Ihre Stärke lässt sich dann ausspielen, wenn jemand zum Denken bereit ist. Das ist zugleich ihre große Schwäche. Wie anfangs erwähnt ist das Gehirn denkfaul. Wenn unser Gehirn ein Motor wäre, dann verbleibt es am liebsten im unteren Drehzahlbereich. Nicht so untertourig, dass es absäuft - auch das mag das Gehirn nicht (siehe Folge von Rückzugsverhalten bei Depressionsentstehung und -aufrechterhaltung). Fängt es aber an zu denken, wirklich zu denken, geht die Drehzahl herauf.
 
Ich denke, dass kennt jeder. Denk mal an schwierige, lange Prüfungen. Keine körperliche Arbeit, und dennoch danach kaputt. Jetzt magst du erwidern "da war Stress mit bei", und ja, das hat eine Rolle gespielt. Aber auch, dass da je nach Prüfungsart das Gehirn arbeiten musste. Gleiches gilt für geistig anstrengende Arbeit. Oder auch nur schwierigen Stoff lernen. Wenn ich mit Leuten arbeite und die ans Denken kriege, dann sind die nach einer halben Stunde in aller Regel erschöpft. Und eine Stunde denken so platt, als wären sie ein Marathon gelaufen. (Übrigens geht beim Denken der Kalorienverbrauch des Körpers tatsächlich signifikant nach oben.)
Weshalb? Weil es einen riesigen Unterschied macht, ob man einen bestehenden Waldweg entlang geht (Gedanken), oder sich eine Schneise durch den Wald schlägt (Denken).
 
Nun sind manche Menschen nicht bereit zu denken. Das lässt sich im Gespräch schnell bemerken - eine tiefer gehende Frage stellen, und wenn eine oberflächliche, vorgefertigt wirkende Antwort kommt, Glückwunsch, man hat einen Gedanken, aber kein Denken. Je nach Leidensdruck und Introspektionsfähigkeit lässt sich das dann doch wieder ins Denken verwandeln (dafür sind Reframings primär da), aber das klappt bei mangelndem Leidensdruck oder mangelnder Introspektionsfähigkeit vorsichtig formuliert nicht immer.
 
Weitere Schwäche liegt im Zusammenwirken von Denken/Gedanken und Emotionen. Die befinden sich in einer Feedbackschleife, heißt beeinflussen sich gegenseitig. Denken/Gedanken lösen Emotionen aus, aber Emotionen beeinflussen auch Denken/Gedanken, und gerade berechtigte Emotionen gehen an Denken/Gedanken vorbei. Hat man es mit berechtigten Emotionen zu tun (dazu in einem anderen Teil), dann sind rein denkbezogene Ansätze schwierig. Umgekehrt, hat man es mit nicht berechtigten Emotionen zu tun, dann sind denkbezogene Ansätze oftmals eine sehr gute Wahl (da das quasi Zombieemotionen ausgelöst durch Gedankenmuster sind).
 
Schön aber ist bei Denkansätzen, dass sie sich sehr einfach anwenden lassen. Primäres Ziel ist es jemanden ans Denken zu bekommen. Den Rest erledigt derjenige dann selbst. Wichtig dabei ist sich zurückzuhalten, nicht das Denken für ihn zu übernehmen (dann gibt man ihm Gedanken, und Menschen bevorzugen ihre eigenen Gedanken). Also das Denken anregen. Wie man das wohl machen könnte?

Freitag, 6. Mai 2016

Freud

Kaum jemand hat das Außenbild der klinischen Psychologie und Psychotherapie so geprägt wie Sigmund Freud, der heute seinen 160. Geburtstag gefeiert hätte. Ich höre dabei doch sehr oft Kritik an Freud - seine Methoden seien nicht wissenschaftlich entstanden, seine entwickelten Verfahren bräuchten viel zu viel Zeit, und sehr viel mehr. Manchmal werde ich da das Gefühl nicht los, dass Freud da ein Opfer des Lotto-Fehlschlusses wird. Und ihm historisch Unrecht getan wird.

Mit Lotto-Fehlschluss meine ich eine besondere Form des gedanklichen Zeitsprungs - etwas in der Vergangenheit anhand von Informationen bewerten, die es damals noch nicht gab. Wenn das ginge, dann wären wir alle Lotto-Millionäre!

In welcher Zeit hat Freud sein Wirken begonnen? Zu einer Zeit, als psychisch / psychiatrisch Erkrankte weggesperrt wurden. Er lebte in einer Zeit, in der erstmals begonnen wurde zu schauen, inwieweit psychisch Erkrankten geholfen werden kann. Betrat damit zugleich relativ luftleeren Raum.

Das klassisch wissenschaftliche Vorgehen ist, dass man anhand des bisherigen Forschungsstands Theorien aufstellt, diese Theorien testet, und entweder beibehält oder verwirft. Im luftleeren Raum schwierig. Einfach mal als Vergleich, die kognitive Verhaltenstherapie nahm ihren Ursprung in sabbernden Hunden, die dann recht bald zu abergläubischen Tauben führten, und ab da ging es dann richtig los. Vielleicht wissenschaftlich fundiert, aber über Jahrzehnte auch recht stumpf und eingeengt.

Historisch betrachtet lässt sich wohl, ist jedenfalls meine Meinung, festhalten, dass Freud viel Gutes bewirkt und noch mehr Gutes angestoßen hat. Wenn man ihm den Mantel des Absolutem entreißt, sondern seine Ideen als Ideen aufgreift, dann hat er einige wichtige Ideen in die Welt gebracht. Manche so gut, wie sie waren. Manche brauchten Weiterentwicklung. Manche haben sich als Fehlschluss herausgestellt. Zu manchen wurden alternative Wege gefunden, sei es im von ihm geprägten Gedankengebilde, sei es außerhalb davon. Ich glaube nicht, dass das wichtig ist.

Sonntag, 1. Mai 2016

Ansatzpunkte I

Wenn Menschen psychische Probleme haben, dann - das ist per se eine gute Nachricht - gibt es meist nicht nur eine Lösung, sondern viele Lösungen. Unterschiedliche Ansatzpunkte. Die schlechte Nachricht ist, dass nicht jeder für jeden dieser Ansatzpunkte empfänglich beziehungsweise zugänglich ist. Zwar ist jeder Ansatzpunkt per se möglich, jedoch an bestimmte Bedingungen gebunden, hat Vor- und Nachteile.

Die folgende Liste ist demnach alles andere als komplett. Sie soll nur als Denkstupserl dienen, sollte man auf einer Ebene entweder bei einem selbst, oder bei jemand anderem feststecken.

Heute: Die Verhaltensebene

Hier meine ich nur das Verhalten "außen", nicht das Verhalten "innen" (dazu später mehr). Darunter fällt fast alles was in Richtung Aufbau positiver Aktivitäten, Tagesstrukturierung, Problemlösefähigkeiten, Expositionen, Skill-Trainings (z.B. Entspannungsverfahren) und so weiter geht.

Der große Vorteil der Verhaltensebene ist, dass sie immer wirkt, außer eine Person lebt komplett entkoppelt von der Außenwelt. Heißt auch bei sehr schwer zugänglichen Problemen oder Personen können über Veränderungen im Außen auch Veränderungen im Inneren erzeugt werden. Auch lassen sich kleine Probleme so recht schnell und einfach kompensieren. Gerade wenn ein Problem wirklich umgrenzt ist, und alles andere im Leben funktioniert, reichen oft Änderungen auf der Verhaltensebene aus.

Der große Nachteil der Verhaltensebene ist, dass sie Motivation voraussetzt. Bei gestörter oder nicht ausreichender Motivation wird neues Verhalten nicht ausprobiert, nicht durchgängig angewendet, wieder in alte Verhaltensmuster gefallen. Gerade bei Problemen mit sehr hohem Sekundärnutzen ist zumeist über die Verhaltensebene nur schwer und langwierig beizukommen - außer es gelingt den Sekundärnutzen mit an Bord zur holen.

Ein weiterer, zwar selten vorkommender aber dennoch erwähnenswerte, Nachteil tritt bei den bereits oben erwähnten von der Realität entkoppelten Personen auf. Hiermit meine ich gar nicht mal in erster Linie so klassisch dissoziative Phänomene (wo eine Person geistig sich zurückzieht, nicht mehr in der Situation ist), sondern etwas anderes. Manche Menschen bemerken, sehr oft aufgrund ihrer Biographie, nicht, welchen Einfluss sie mit ihren Handlungen auf ihre Umwelt und ihre Mitmenschen, damit einhergehend wieder auf sich selbst, haben. Durch jene Entkoppelung laufen die allermeisten Ansatzpunkte ins Leere (daher werde ich dies auch nicht bei den folgenden Teilen wiederholen), hier muss erstmal die Koppelung wiederhergestellt werden.

Wie liefe nun die Arbeit auf der Verhaltensebene ab? Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.
1. Es fehlt eine bestimmte Fertigkeit oder Verhaltensmuster, um das Problem zu lösen -> Aufbau der Fähigkeit oder des Verhaltensmusters.
2. Unsinnige Annahmen für zum Problem -> Überprüfen der Annahmen in der Realität durch entsprechende Handlungen. (Auch möglich durch Rollenvorbilder.)
3. Dysfunktionales Verhalten (z.B. Rückzugsverhalten) führt zum Problem -> Abbau des dysfunktionalen Verhaltens und Aufbau funktionalem Alternativverhaltens.

Eine weitere wichtige Frage für die Verhaltensebene ist immer, was der Mensch bei seinem bisher gezeigtem Verhalten erreicht und lernt, dies im Kontrast dazu, was er bei einem verändertem Verhalten erreicht und lernt.

Gerade der Lernpunkt, der auf dem ersten Blick vielleicht unpassend wirkt, ist extrem wichtig. Klassisches Beispiel Spinnenphobie - was lernt unser Reptiliengehirn, wenn wir vor einer Spinne zurückweichen?