Freitag, 6. Mai 2016

Freud

Kaum jemand hat das Außenbild der klinischen Psychologie und Psychotherapie so geprägt wie Sigmund Freud, der heute seinen 160. Geburtstag gefeiert hätte. Ich höre dabei doch sehr oft Kritik an Freud - seine Methoden seien nicht wissenschaftlich entstanden, seine entwickelten Verfahren bräuchten viel zu viel Zeit, und sehr viel mehr. Manchmal werde ich da das Gefühl nicht los, dass Freud da ein Opfer des Lotto-Fehlschlusses wird. Und ihm historisch Unrecht getan wird.

Mit Lotto-Fehlschluss meine ich eine besondere Form des gedanklichen Zeitsprungs - etwas in der Vergangenheit anhand von Informationen bewerten, die es damals noch nicht gab. Wenn das ginge, dann wären wir alle Lotto-Millionäre!

In welcher Zeit hat Freud sein Wirken begonnen? Zu einer Zeit, als psychisch / psychiatrisch Erkrankte weggesperrt wurden. Er lebte in einer Zeit, in der erstmals begonnen wurde zu schauen, inwieweit psychisch Erkrankten geholfen werden kann. Betrat damit zugleich relativ luftleeren Raum.

Das klassisch wissenschaftliche Vorgehen ist, dass man anhand des bisherigen Forschungsstands Theorien aufstellt, diese Theorien testet, und entweder beibehält oder verwirft. Im luftleeren Raum schwierig. Einfach mal als Vergleich, die kognitive Verhaltenstherapie nahm ihren Ursprung in sabbernden Hunden, die dann recht bald zu abergläubischen Tauben führten, und ab da ging es dann richtig los. Vielleicht wissenschaftlich fundiert, aber über Jahrzehnte auch recht stumpf und eingeengt.

Historisch betrachtet lässt sich wohl, ist jedenfalls meine Meinung, festhalten, dass Freud viel Gutes bewirkt und noch mehr Gutes angestoßen hat. Wenn man ihm den Mantel des Absolutem entreißt, sondern seine Ideen als Ideen aufgreift, dann hat er einige wichtige Ideen in die Welt gebracht. Manche so gut, wie sie waren. Manche brauchten Weiterentwicklung. Manche haben sich als Fehlschluss herausgestellt. Zu manchen wurden alternative Wege gefunden, sei es im von ihm geprägten Gedankengebilde, sei es außerhalb davon. Ich glaube nicht, dass das wichtig ist.

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