Sonntag, 31. Juli 2016

Ansatzpunkte VII

Heute: Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist eine zentrale Sache. Nehmen wir Angststörungen, da ist ein zentrales Element, dass nicht davon ausgegangen wird, spontan mit Herausforderungen umzugehen. Bei chronischen Depressionen ist ein zentrales Behandlungselement überhaupt Selbstwirksamkeit aufzubauen, da mangelnde Selbstwirksamkeit zu typisch depressiven Verhaltensweisen (wie Rückzugsverhalten, Antriebsverlust und co) führt. Problem bei der Selbstwirksamkeit ist, dass sie sehr eng mit drei Aspekten zusammenhängt. Erstens den Gedanken und Überzeugungen; zu glauben, man schaffe eh nichts, hilft der Selbstwirksamkeit nicht gerade. Zweitens der Aufmerksamkeit; nimmt jemand wahr, welche Wirkungen seine Handlungen haben? Drittens dem Anspruchsniveau; das wird jetzt komplizierter...

Bei mangelnder Selbstwirksamkeit muss sicherlich die Aufmerksamkeit bedacht werden, im Sinne von immer wieder bewusst wahrgenommen werden, welche Wirkung das eigene Denken und das eigene Verhalten hat. Ebenso auch dysfunktionale Denkmuster und Überzeugungen hinterfragt werden. Das ist jedoch nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist eine Frage der Schwierigkeit. Grob lassen sich Aufgaben auf einer Skala einordnen. Ganz unten auf dem einen Ende ist die Unterforderung, diese sorgen eher für Frustration. Dann, etwas weiter oben, ist die Komfortzone, das sind Aufgaben, die wir ohne Schwierigkeiten hinbekommen. Diese zu erfüllen steigert die Selbstwirksamkeit nur sehr wenig. Dann kommt der für die Selbstwirksamkeit grüne Bereich, nämlich herausfordernde, aber machbare Aufgaben. Hier ist die Abwägung zwischen Erfolgswahrscheinlichkeit und Selbstwirksamkeitsgewinn am höchsten. Danach kippt es immer mehr in Richtung Überforderung, damit einhergehend Frust, und am Ende dann stehen gar unmögliche Aufgaben, bei denen Scheitern vorprogrammiert ist.

Bei der Arbeit an der Selbstwirksamkeit gilt es also entsprechend dem Fähigkeitenniveau einer Person diesen grünen Bereich zu finden. Entsprechende kleine Schritte zu finden, nämlich entsprechend nicht am Ergebnis, sondern am neuen Verhalten - samt dessen Wirkung. Beispielsweise kann es für einen schweren Sozialphobiker schon ein Erfolg sein mehr schräg als sozial angemessen nach der Zeit zu fragen; für einen leichteren Sozialphobiker hingegen wäre ein Gespräch ohne Sicherheitsverhalten eher im grünen Bereich. Wie ein Hollywoodstar die Bühne zu erobern dürfte hingegen für beide weit jenseits des grünen Bereichs liegen, hingegen wäre "das Haus verlassen" eher unterfordernd. Kommt dann aber noch eine Agoraphobie hinzu...

Wichtig bei der Arbeit an der Selbstwirksamkeit ist den grünen Bereich zu finden, dann immer wieder die Konsequenzen vom eigenen Verhalten aufzeigen. "Du tust X, Ergebnis war Y"; wobei hier kein Wunschdenken angeregt werden sollte - wir können nicht alles im Leben verändern, aber wir können einen Einfluss darauf haben, ob reale Chancen zu etwas entstehen. Mal so gesagt, nur weil man mit einem Schirm heraus in den Regen geht heißt das noch nicht, dass man trocken bleibt - er könnte fortgeweht werden, kaputt gehen oder sein, einem geklaut werden, wie auch immer. Allerdings ist eher das Gegenteil von Bedeutung, denn ohne Mittel gegen den Regen mitzunehmen (egal ob Schirm, Regenjacke oder was auch immer), dann werden wir auf alle Fälle nass. Selbstwirksamkeit ist das, was uns ermöglicht, Wege zu finden mit dem Regen umzugehen. Sie mögen nicht alle erfolgreich sein, doch ohne sie werden wir nass.