Freitag, 30. Dezember 2016

Gefährliche Fragen

Es gibt, so halb ernst und halb als übertriebenes Beispiel, so Fragen, da ist offenkundig, dass jede Antwort falsch ist, beispielsweise "Antworten Sie nur mit ja oder nein, nur mit ja oder nein! Haben sie aufgehört ihre Kinder zu schlagen?", das sind eher Fragen, die von anderen gestellt werden. Wir Menschen neigen jedoch dazu, und selbst auch Fragen zu stellen, die es in sich haben. Und wo nicht die Antwort, sondern bereits die Frage das Problem ist.

Aus meiner Sicht gefährlichstes Beispiel dafür ist die Schuldfrage. Weshalb ist etwas in unserem Leben schief gelaufen? Wer hat Schuld?

Klingt nach Erkundung der eigenen Biographie? Oder danach, Erklärungen für die eigene Geschichte und aktuelle Situation zu finden? Mag sein. Aber es gibt ein Problem - nämlich jede Antwort ist zerstörerisch.

Gehen wir mögliche Antworten durch:
- "Ich bin schuld, weil XYZ": Was macht so etwas mit dem Selbstwert? Das führt zu deutlicher Selbstabwertung, Schuldgefühlen, Reue.
- "Der andere ist schuld, weil XYZ": Was macht so etwas mit der Selbstwirksamkeit? Die geht in den Keller. Es entmachtet. Entweder das, oder es kommt zu einer Menge Wut. Was macht die Wut mit uns, gerade dann, wenn der andere nicht da ist um die Wut entladen zu können (was, da sich die Wut häufig auf Abstraktionen wie die Gesellschaft, das System und co richtet, wahrscheinlich ist)? Da schluckt man, gerade in Verbindung mit der Selbstentmachtung (da man sich nicht hat schützen können, denn sonst wäre man wieder bei man sei selbst schuld) Gift und hofft wer anders kippt um.

Sicher gibt es Mischformen, wo man beiderlei Probleme bekommt. Die Schuldfrage ist in vielen Lebenslagen (außer man ist zufälligerweise Richter oder in einer richterhaften Position) sehr destruktiv. Was wäre besser?

1. Radikale Akzeptanz der Realität. Hinter der Schuldsuche steckt oft der Wunsch, dass etwas anders gelaufen wäre, dass man jemanden (egal ob sich selbst oder andere) dafür verantwortlich machen könnte. Dies sind im Grunde Tagträume, die nur schaden anrichten.
2. Gegenwarts- und Zukunftsorientierung: Was macht man aus dem status quo? Anders formuliert, es ist so, was macht man also daraus?
3. Den eigenen verletzten Anteilen zugewandt begegnen. Bei einer Schuldsuche steckt häufig auch eine Art Ablenkung dahinter, denn während man einen Schuldigen sucht, muss man sich nicht mit den eigenen verletzten Anteilen beschäftigen. Genau das wäre jedoch (nicht immer, aber) oft viel hilfreicher und heilsamer als einen Schuldigen zu finden.
4. Erklärungen von Schuldfragen trennen. "Wie kam es?" ist nicht dasselbe wie "wer hat Schuld?"
5. So paradox es klingt, sich auch nichts schön denken. Beispiel wenn Wut da ist, dann haben die emotionalen Anteile bereits so etwas ähnliches wie eine Schuldfrage gestellt und beantwortet. Dann kann man sich um die Wut kümmern (siehe Punkt 3; teils auch Punkt 2), oder stattdessen durch Schuldfragen oder Entschuldigungsfragen versuchen die Schuld umzulenken (eine Form gedanklicher Emotionsvermeidung). Eine Ausnahme, die ich hier machen möchte, ist die Frage "bin ich im hier und jetzt, oder stammt die Emotion aus der Vergangenheit?"

... und sehr viel mehr. Dies ist nur ein Beispiel. Was ich als Idee mitgeben möchte, ist, dass es durchaus eine Rolle spielt, mit welchen Fragen wir die Welt betrachten. Fragen, und nicht die Antworten, sind es, die ausmachen, wie wir gedanklich die Welt begreifen. Ist die Frage selbst bereits das Problem, dann kann kaum eine Antwort die Lösung sein, sondern die Antwort wäre eine andere Frage.

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