Freitag, 6. Januar 2017

Im Glaslabyrinth

Große Probleme, biographische Themen, gar Störungen, haben etwas von einem Glaslabyrinth. Der Betroffene weiß keinen Ausweg. Wo immer er hingeht, oder hinzugehen versuchte, war nur eine weitere Sackgasse, nur eine weitere Glaswand.
 
Manche werden unruhig, aggressiv gar, randalieren im Labyrinth. Andere resignieren, bleiben sitzen. Wieder andere warten auf Hilfe; darauf, an die Hand genommen und herausgeführt zu werden, oder doch zumindest eine Karte hinaus zu bekommen. Ein paar wenige gehen mit schierer Neugier heran, erkunden das Labyrinth; geraten vielleicht in Untiefen, oder finden einen Weg hinaus.
 
Das Bild des Glaslabyrinths kam mir spontan, als ich durch Zufall den Wunsch mitanhörte, nach einem Therapeuten in derselben Lebenssituation. Soll Therapie gemeinsames Labyrintherkunden sein? Dies hat durchaus einen Wert, eine Wirksamkeit von Gruppen zum Beispiel. Jedoch wenn zwei Leute im selben Labyrinth stecken, dann - platt gesagt - stecken zwei Leute im selben Labyrinth.
 
Mal davon abgesehen, dass das eine Unmöglichkeit ist. Nie ist auch nur eine Person im Labyrinth.
 
Es steckt niemals die ganze Person im Labyrinth. Das geht nicht. Damit wir uns in ein Labyrinth in uns befinden, muss es einen Teil von uns geben, der sich außerhalb des Labyrinths befindet. Sonst könnten wir gar nicht wissen, dass wir im Labyrinth sind. Nur dummerweise wird genau dieser Teil oft verleugnet, verdrängt, selbst weggesperrt.
 
Ein Blick von außen, von jemanden, der nicht im Labyrinth steckt, bringt Vorteile. Selbst wenn er dieses spezielle Labyrinth nicht kennt, so kann er doch ahnen, was grob gute und weniger gute Richtungen sind. Wie generell Labyrinthe funktionieren. Aber wichtiger noch, er kann erkennen, was außerhalb des Labyrinths liegt. Denn dort befindet sich die Lösung.
 
Sofern die Lösung nicht das Problem ist. Denn ein Labyrinth schützt auch den, der sich darin befindet.