Mittwoch, 15. Februar 2017

Erfahrungsbericht, oder auch "ein Experiment in Zeitlosigkeit"

Mitte Dezember verabschiedete sich meine Uhr. Eine meiner Grundeinstellungen ist, dass sich (fast) alles irgendwie nutzen lässt. Nun dachte ich damals, hm, hänge ja schon sehr an der Uhr. Lasse von der Zeit mein Leben (mit-)bestimmen. Was passiert wohl, wenn ich versuche ohne Uhr zurecht zu kommen?
 
Rein vom Kopf her hatte ich mit Problemen gerechnet. Zu spät oder zu früh kommen, Termine verpassen, angespannt sein ("wie spät ist es nur?!"). Ganz größtenteils, hallo Realitätstestung alter Freund, war das Gegenteil der Fall.
 
Nur ein einziges mal bekam ich Ärger - und in dem Fall war ich eine (!) Minute zu früh (!).
 
Gleichzeitig war ich, gerade wenn ich unterwegs war (z.B. Spaziergang in der Pause) sehr viel präsenter noch als sonst. Eine Uhr ist so etwas wie eine Brücke in die Zukunft. Nein, besser noch, eine gegenwärtige Erinnerung an eine kommende Zukunft. Die fiel weg. Aber wurde durch etwas noch viel sinnvolleres ersetzt. Nämlich statt der äußeren Uhr der inneren Uhr.
 
Eine innere Uhr, die sowieso tickt. Vielleicht nicht funkuhrsekundengenau, doch mehr als genau genug. Ein Bauchgefühl, das in vielen anderen Bereichen bereits bewiesen hat, ziemlich genau - zumindest mehr als genau genug - zu funktionieren. Beispiel, wenn Du ein Auto kennst, schaltest Du dann nach Drehzahlmesser oder nach Gefühl? Brauchst Du ein Navi auf einem Weg, den du schon unzählige male gegangen bist?
 
Und während diese innere Uhr ohnehin die Zeit im Auge hatte, war mein Bewusstsein von der äußeren Uhr befreit.
 
Nach zwei Monaten hatte ich das Experiment beendet. Seither habe ich wieder eine Uhr.
 
Ich habe heute nur einmal draufgeschaut.

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