Freitag, 31. März 2017

Übung in Rahmenerkennung II

... und nun schauen wir uns den vorausgegangenen Beitrag mal an. Und zwar unter dem Blickwinkel, wo dort wie mit Rahmen gespielt worden sein könnte.
 
Ungeordnet:
- An einer Stelle findet sich eine "Emser Statistik"; nämlich da, wo über die vier Subgruppen berichtet worden ist. Zitat:
Jetzt zoomen wir hier aber einmal kurz heraus, denn so klar ist das Ergebnis dann doch nicht. Es fanden sich nämlich in nahezu jeder Studie vier Untergruppen:
- eine Gruppe wird im Laufe der Jahre spürbar besser.
- eine Gruppe wird im Laufe der Jahre etwas besser.
- eine Gruppe wird im Laufe der Jahre etwas schlechter.
- eine Gruppe wird im Laufe der Jahre erheblich schlechter.

 
Das stimmt zwar. Unerwähnt blieb jedoch, dass die vier Gruppen im Schnitt andere Erfolge zu Beginn haben. Die Aussage aus dem Zitat verändert sich fundamental, je nachdem, welche Startpositionen die einzelnen Untergruppen haben.
 
- Der Beitrag betreibt durch Vorabrahmensetzung deutliche Aufmerksamkeitslenkung. Sämtliche möglichen Erklärungen befassen sich mit personellen Faktoren (also was könnte bei den frischen Therapeuten los sein, dass sie bessere Ergebnisse erzielen) statt, was gerade bei so einem konsistent gefunden Ergebnis wichtig wäre, auch systemische Aspekte mit einzubeziehen (anders gedacht, es könnte personenunabhängige Faktoren geben, die für einen Abwärtstrend verantwortlich sind; Stichwort Weiterbildungsaufbau und -Inhalte). Dies ist völlig wertfrei zu verstehen, ich weiß nicht, wie die Studienergebnisse zu erklären sind, ob es an persönlichen oder systemischen Faktoren (oder einer Mischung aus beiden) liegt. Der Beitrag sollte nur demonstrieren, wie einfach offensichtliche Aspekte unter den Tisch fallen können.
 
- Der Beitrag ist ein impliziter Seitenhieb auf nichtexperimentelle Designs. Experimentelle Designs sind zwar oft weltfremd und erlauben nur Aussagen über wenige isolierte Faktoren, diesbezüglich jedoch mit einigermaßen hoher Sicherheit. Der Beitrag war (Stichwort Rahmensetzung) eine lange Kritik an Feldstudien, ohne dies irgendwo als solches zu erwähnen. Die Vorteile von experimentellen Designs wurde jedoch im Beitrag nicht erwähnt; tatsächlich wurden entsprechende Forschungsmöglichkeiten nicht einmal angesprochen. Anmerken muss ich hier jedoch, dass sich bei dieser Fragestellung keine experimentellen Designs verwirklichen lassen, hier sind allein Feldstudien möglich. Es sollte demonstrieren, dass implizite Kritik oft wirksamer ist Zweifel zu streuen als explizite Kritik.
 
- An verschiedenen Stellen wird mit der Blickrichtung gespielt, z.B. statt "weshalb werden im Schnitt Therapeuten mit Erfahrung schlechter?" wurde daraus "was läuft bei Therapeuten mit weniger Erfahrung besser?"; eine Frage, die zu anderen Antworten führen könnte. Auch verschiedene andere Techniken der Rahmenveränderung kommen zur Anwendung (z.B. Metaphern, Differenzierungen).
Nur die Frage, die ich mir stelle, ist folgende: konkrete Anwendungen, z.B. die Spiele mit der Blickrichtung, die sind leicht zu erkennen. Die anderen aber, gerade die größeren Sachen, wie viele von denen wurden erkannt? 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen