Samstag, 29. April 2017

Die Legende des rosanen Elefanten

"Denke nicht an einen rosanen Elefanten! Egal woran du denkst, denke nicht an einen rosanen Elefanten mit kleinen rosanen Stupsfüßchen, einem rosanen Rüsselchen, das er um ein Gänseblümchen wickelt. Denke nicht an den rosanen Elefanten!"

In aller Regel führt dies dazu, dass die betroffene Person an einen rosanen Elefanten denkt. Es wird gern von uns Psychos dafür benutzt um zu zeigen, dass das Wort "nicht" vom Gehirn, bzw. von nichtsprachlichen Teilen des Gehirns, nicht verarbeitet wird. Sondern das Gegenteil passiert.

Problem dabei ist nur, es handelt sich hier um eine Legende. Eigentlich laufen hier nämlich ein paar viel komplexere Vorgänge ab.

1. Zwar kann ein "nicht" durchaus verarbeitet werden, jedoch muss zuerst das im Geist sein, was "ver-nicht-et" werden soll. Heißt ist kein rosaner Elefant da, muss erst einer erschaffen werden, damit das Wort "nicht" einen Sinn ergibt.
(Ganz allgemeiner Lebenskniff, wenn jemand also ohne vorher dazu aufgefordert war sagt, dass er etwas nicht vorhat, nicht tut, wie auch immer, dann war das vorher gedanklich sehr wahrscheinlichst da.)

2. Es wird eine Art mentaler Kampf angefacht. Das ist, was zum rosanen Elefanten führt. Nicht das "nicht". Beispiel, wenn dir jemand von einem Urlaub am Strand erzählt und sagt, da "war nicht eine Wolke" am Himmel, führt das dann dazu, dass du dir vorstellst, wie derjenige bei einem stürmischen Gewitter im Meer war? Nein. Der Fokus wird beim rosanen Elefanten auf das zu "ver-nicht-ende" Gedankenkonstrukt gelegt. Deshalb bleibt es so massiv da.
Dies ist übrigens genau das, was Menschen tun, die Gedanken oder Ideen oder Emotionen oder wie auch immer weghaben wollen - sie richten ihre geistige Energie darauf. Das ist, weshalb der in Schritt eins erschaffene rosane Elefant stabilisiert wird.

Heißt insgesamt das "nicht" ist gar nicht das Problem. Es ist die Art, wie mit dem umgegangen wird, was "nicht" sein soll. Wird keine Energie reingesteckt (Stichwort der wolkenlose Himmel im Urlaub), entfaltet es keine Macht. Tatsächlich deaktiviert in dem Fall, wenn etwas zu "ver-nicht-endes" da war das "nicht" dies sogar (beispielsweise wenn du bei der Urlaubserzählung wirklich zuerst an einen bewölkten Tag gedacht hast und dann hörst, da waren keine Wolken).

Problem ist die Energie, die dagegen gesetzt wird, bzw. die beim rosanen Elefanten auf den Elefanten gerichtet wird. Sinnvollere Strategien sind entweder die Energie zu entziehen, heißt die Aufmerksamkeit woanders hin zu richten. Oder den Elefanten zu verwandeln. Oder auch nur den Elefanten wie eine Wolke vorbeiziehen lassen. Oder auch sehr viel mehr.
Keine Ahnung, ob du noch über Möglichkeiten nachdenkst, wie der rosane Elefant nicht dableiben könnte.

Mittwoch, 19. April 2017

Ein Besuch am Fischteich, oder auch Gedanken zu selbstangeleiteten imaginativen Verfahren...

Es gibt imaginative Übungen, die sich gut selbst durchführen lassen. Paradebeispiel sichere Ort, Ressourcenräume und viele mehr. Die funktionieren dadurch, dass der Raum selbst positiv emotional besetzt ist. Jedoch lassen sich solche imaginativen Übungen zwar gut zum Ressourcenaufbau nutzen, sie verändern jedoch nicht nennenswert die eigene bewusste und/oder unbewusste Landschaft. Dabei ist es doch - manchmal - so, dass sich dafür eine Gelegenheit ergeben kann.

Dafür sind jedoch einige Ideen wichtig, die frei im Raum schwebend schwierig zu verstehen sind. Daher nehme ich an dieser Stelle ein persönliches Beispiel. Da ich einige schwierige Tage hinter mir hatte habe ich am Samstag eine Übung gemacht, die eigentlich nur zum eigenen Herunterkommen durchführte - die jedoch eine tiefgreifende Wendung nahm.

Am Anfang hatte sie etwas vom sicheren Ort, wobei ich hier jedoch einen dynamischeren, kreativeren Ansatz bevorzuge. Heißt nicht einen bestimmten Ort, sondern jeweils vom Unbewussten einen Ort wählen lassen (im Sinne von schauen, was kommt) und diesen dann stabilisieren (was sehe ich, höre ich, rieche ich, fühle ich, welche Details sind da?).

-> Idee I: Zusammenspiel von bewussten und unbewussten Anteilen ist wichtig. Rein bewusste Räume sind zu stabil, da passiert nichts Unerwartetes, daher kaum Raum für Wachstum. Rein unbewusste Räume sind zu instabil, daher ist da kaum Wachstum möglich. Zufall zulassen, diesen jedoch bewusst zu stabilisieren, hingegen kann einen Raum erschaffen. Betonung liegt auf "kann", bei selbstangeleiteten imaginativen Verfahren bewegt man sich auf einem Drahtseil zwischen zu wenig Kontrolle (=Chaos) und zu viel Kontrolle (=Stasis), wobei klassische therapeutische Anwendungen extrem Richtung Stasis gehen. Mit dem, was jenseits der Stasis hochkommen kann, sollte man jedoch umgehen kann, wenn ein gemischterer Ansatz gewählt wird.

Bei dem Ort handelte es sich um den Wohnort meiner Großeltern, was erst einmal seltsam war, da dieser Ort in meinem Bewusstsein sehr durchwachsen besetzt ist. In der Imagination hingegen war das Gefühl erst rein positiv.

-> Idee II: Bewusste und unbewusste Bewertungen können unabhängig voneinander sein.
Erst wanderte ich herum, was die positive Stimmung verstärkte.

-> Idee III: Bewegungen in Imaginationen verstärkt das, was auch immer da ist. Übrigens, deshalb sind Alpträume, in denen man flieht, so übel. Da wirkt dasselbe Prinzip.

Dann gab es da einen Fischteich. Und da gab es zwei Besonderheiten. Erstens, Bewegung. Zweitens, etwas, was nicht da sein sollte.

-> Idee IV: Bewegung und Unerwartetes deutet darauf hin, dass da das Unbewusste aktiv ist. Hier ist eine Möglichkeit zum Wachstum.

In dem Fall war es ein großer, dunkler Fisch. Wie ein schwarzer riesiger Goldfisch. Allein dessen Anwesenheit war zutiefst verstörend, unangenehm. Ich blieb. Setzte mich. Akzeptierte, dass der Fisch da war.

-> Idee V: Im Zweifel mit unbewussten Bildern in Imaginationen wohlwollend achtsam umgehen, damit "sitzen". Nicht weglaufen, nicht kämpfen, nicht verändern wollen. Ein wichtiger Aspekt in imaginativer Arbeit ist es den eigenen Umgang mit dem Unbewussten zu verbessern. Im Zweifelsfall wohlwollende, achtsame Aufmerksamkeit.

Daraufhin änderte sich die ganze Stimmung. Es wurde dunkel, Gewitter zogen auf, es regnete, stürmte. Ich blieb weiter achtsam sitzend.

-> Ergänzung zu Idee V: Nur weil das bewusste Selbst wohlwollend achtsam ist, kann es das Unbewusste dennoch krachen lassen. Kurzfristige Verschlechterungen, gerade wenn etwas mit Schmerzpunkten besetzt ist.

Dann aber veränderte sich der Fisch. War kurzfristig etwas ganz anderes. Und da... löste sich bei mir ein großer Knoten. Gedanklich. Emotional. Das ganze Bild veränderte sich, wurde strahlend. Und ich hatte die darauf folgende halbe Stunde in so etwas wie Euphorie verbracht. Auch jetzt noch wirken die Ideen aus diesem Ereignis nach.

-> Idee VI und Anmerkung: Das hatte mich selbst überrascht, da sonst noch weitere Interaktionen notwendig sind. Eine davon habe ich danach noch ausgeführt, nämlich dem Fisch ein Geschenk geben. (Geschenke fordern und Geschenke geben ist zum Beispiel eine dieser Interaktionen.)