Mittwoch, 31. Mai 2017

Trägheit

Eine Szene und drei zusammengehörige Fragen. Die Szene, stelle Dir vor, du fährst mit dem Auto. Vollgas auf der Autobahn. Freie Strecke. Vielleicht so mit 150 km/h. Und dann...

(Frage 1) ... passiert was, wenn Du vom Gas herunter gehst?

(Frage 2) ... passiert was, wenn Du vom Gas herunter gehst und bremst?

(Frage 3) ... passiert was, wenn das Auto schlagartig anhält?

Nicht nur in der Physik gibt es den Effekt der Trägheit, der zweierlei bewirkt. Erstens kostet es mehr Kraft etwas in Bewegung zu setzen als die Bewegung aufrecht zu erhalten, das ist ein Thema der Motivation. Zweitens, was häufig übersehen wird, hält Trägheit auch Bewegungen aufrecht. Im Falle von Frage 1 wird das Auto langsam langsamer. Im Falle von Frage 2 wird das Auto schnell langsamer, dabei jedoch auch je nach Bremssystem möglicherweise schwieriger zu kontrollieren. Im Falle von Frage 3 zerlegt es den Fahrer. Wie mal jemand so schön sagte "es ist nicht zu hohe Geschwindigkeit, die tötet. Es ist der plötzliche Stopp".

Wenn wir es mit psychischen Vorgängen zu tun haben, dann gibt es auch eine Art Trägheit. Nimmt man einem Problem die Grundlage (= geht vom Gas), dann verschwindet es oft nicht sofort, sondern wird langsam besser. Auch wenn aktiv gegengesteuert wird, also auf die Bremse gestiegen wird, dann gibt es auch oft keinen sofortigen Stopp.

Tatsächlich kann ein sofortiger Stopp auch Probleme bereiten. Hier gäbe es mehrere denkbare Umgangsstrategien. So könnte der Wagen zudem auf einen anderen, sinnvolleren Kurs gebracht werden, heißt mit (statt gegen) dem Problem zu arbeiten. Weiter könnte über diesen Trägheitseffekt aufgeklärt werden und diesem mit Wohlwollen begegnet werden. Drittens könnte auch Achtsamkeit helfen, um die Fortschritte zu sehen - der Blick weg von "ich stehe noch nicht" hin auf "ich werde langsamer" richten.

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