Mittwoch, 5. Juli 2017

Das Rohari-Fenster

Eine kleine Idee mit vier Feldern. Irgendwie scheinen Psychologen vier Felder zu mögen. Jedenfalls bezieht sich das Roharifenster auf Gruppensituationen. Völlig egal was für Gruppen, jedoch besonders bedeutsam in therapeutischen Kontexten. Es geht nämlich darum wer etwas weiß, oder eben nicht weiß.

Der Aufbau des Roharifensters sieht etwa so aus:

| Feld 1 | Feld 2 |
_____________
| Feld 3 | Feld 4 |

- Feld 1 ist die öffentliche Persona. Das, was man selbst von sich weiß und nach außen hin zeigt. Quasi die Geschichte von uns über uns, die wir der Welt zeigen.
- Feld 2 ist das Geheimnis. Das, was wir über uns wissen, jedoch von der Welt verbergen.
- Feld 3 ist der blinde Fleck. Das, was andere sehen, wir jedoch selbst nicht wahrnehmen.
- Feld 4 ist das große Fragezeichen. Das, was wir selbst nicht wissen, und andere nicht wahrnehmen können.

Hier gibt es nun ein Problem, die Felder sind nicht unabhängig voneinander. Offenkundig ist, je größer die öffentliche Person ist, desto kleiner das Geheimnis und umgekehrt. Dies wirkt sich jedoch auch direkt auf die Felder darunter aus. Je kleiner die öffentliche Persona, desto geringer der Blick anderer in den blinden Fleck. Desto größer auch das große Unbekannte.

Nun ist es so, wenn wir es mit Problemen zu tun bekommen, dann lösen wir die entweder selbst - oder die Lösung liegt außerhalb unserer Bewusstheit. Heißt je kleiner die öffentliche Persona ist, desto kleiner die Chance, dass irgendein anderer helfen kann.

Therapeutisch tätige Personen haben den Vorteil, dass erfahrungsgemäß gute Ahnungen da sind, was einerseits bei einem bestimmten Problem in Feld 2 vorgehen könnte, und was dahinter stecken mag. Bloß setzt auch das Interaktion und einen entsprechenden Auftrag voraus.

Lange Rede kurzer Sinn. In Interaktionen haben wir die Wahl, wie viel wir von uns zeigen. Dies hat Vorteile, dies hat Nachteile. Wichtig ist abzuwägen, was man will. Sich kaum zu zeigen hat Vorteile, jedoch passende Hilfe zu erhalten gehört nicht dazu. Leider erlebe ich es sehr oft, dass diejenigen, die sich am wenigsten zeigen (und daher auch am wenigsten profitieren), am Ende am lautesten sich beschweren, dass welcher Prozess auch immer nichts gebracht habe. Hm.

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